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Filmen in den USA

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Filmen in den USA #19 Mittelplatz-Story

9. September 2013
Der verschmÀhte Mittelplatz

So ist das eben, wenn der Flug auf frĂŒher umgebucht wird. Die Maschine ist voll und als ich entspannt eintrudele, ist da nur noch ein Mittelplatz. Eigentlich kein Ding. Doch schon etwas seltsam, wenn man zwischen einem Ehepaar sitzt. Wollen Sie nicht zusammensitzen? -Nein, wir sind seit 25 Jahren verheiratet … Ach so. Und dann fĂ€llt es einem auf. Der Mittelplatz ist das Stiefkind der Economy-Class, der Katzentisch, die grĂ¶ĂŸte Ungerechtigkeit. Überall woanders ist Mitte okay. Zum Beispiel im Kino – mein absoluter Lieblingsplatz: “Mitte, Mitte. Bitte!” Ganz allgemein ist Mitte vielleicht nicht top, aber eben auch nicht flop. MittelmĂ€ĂŸig, aber nicht eingeklemmt=ausgestoßen. Der Mann des etwa 60-jĂ€hrigen Paares sitzt am Fenster, Ohrstöpsel in den Ohren, er wird sowieso schlafen. Wenn er schnarcht, soll ich mir von seiner Frau zeigen lassen, wie man das abschaltet. Ha, ha. Lustig?

Upgrade zur 1. Klasse, bitte

Warum sitzt er am Fenster, wenn er nicht raussehen will? Nun, als es etwas zu sehen gibt, ist er dann doch hellwach. Beim Bus wĂ€re es undenkbar, aber im Flugzeug ist es ganz klar: Wer am Fensterplatz sitzt, ist auch der Herrscher des Fensters. Sonnenuntergang? Schau ich mir an! Wenn ich genug davon hab, Jalousie runter. Ja, er ist auch der Herrscher ĂŒber hell und dunkel.

Ich sehe zu seiner Frau auf dem Gangplatz. Ich habe vor der Sicherheitskontrolle meine Wasserflasche heruntergekippt, ich mĂŒsste mal raus. Wer am Gang sitzt, kann aufstehen, kommen und gehen wann er will. Und schlafen. Dann muss man sie eben wecken. Wieso wollen die beiden nicht nebeneinander sitzen? Ganz klar, der Mittelplatz ist so mies, dass sich das Paar sogar auseinandersetzt, um ihn zu vermeiden. Er mĂŒsste billiger sein. Oder es mĂŒsste einen Ausgleich geben. BildĂŒbertragung aus dem Cockpit mit Blick geradeaus in die Wolken, nur fĂŒr den Mittelplatz. Denn was habe ich sonst? Die Frau klappt unsere (!) Armlehne herunter. Falls ich meinen Arm ablegen möchte. Nett gesagt. Drei Stunden spĂ€ter ruhen die Ellenbogen des Ehepaares auf unseren gemeinsamen Armlehnen. Der Mittelgang hat also auch keine Armlehne. So sieht es aus.

flugSehen wir das Positive. Man lernt seine HĂŒhnchenbrust mit an den Körper gepressten Armen zu schneiden. Vielleicht braucht man das noch mal im Leben. Oder warte, nein, eigentlich nicht. Mir fĂ€llt ein Interview mit Robert Pattinson ein. Sein Luxus: Fliegen. Los Angeles – London 20 000 Dollar in der 1. Klasse. FĂŒr eine Jeans sind ihm eigentlich schon 200 Dollar zu viel. Verstehe. Und nie wieder das Problem mit dem Mittelsitz. 1. Klasse – ich komme.

Ach, was ich eigentlich sagen wollte: Ich bin wieder zurĂŒck, Berlin 16 Grad Regen, hallo Europa!

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Filmen in den USA #18 Herbst und Halloween

8. September 2013
Herbst und Halloween

Ja, sorry, darĂŒber muss es einen Post geben. Wie ich gehört habe, liegen in Deutschland bereits die Spekulatius in den GeschĂ€ften, was ich hasse. Muss ich jetzt schon an Weihnachten denken? Denn hier –  gibt es noch eine Jahreszeit vorher und eben auch noch ein Fest vorher. Und damit meine ich nicht Halloween, sondern Thanksgiving. Wenn das wichtigste Fest einer Nation im Herbst liegt, ist es vielleicht ganz logisch, dass auch der Jahreszeit eine grĂ¶ĂŸere Bedeutung beigemessen wird. Mir fiel da zum ersten Mal bewusst auf, dass es auch eine farbliche Angelegenheit ist. Wir haben Ostern, verbinden damit den FrĂŒhling, das frische GrasgĂŒn und das helle Gelb (wegen der gelben StrĂ€ucher, deren Namen ich nicht korrekt schreiben kann). Und wir haben den Winter mit Weihnachten, der Weiß, Rot und DunkelgrĂŒn ist. Schnee und Tannen, dazu die roten BĂ€nder, Kugeln, der Weihnachtsmann.

Zwei Jahreszeiten, zwei Feste und finito. Sommer? Braucht offensichtlich kein Fest, da haben wir die Sonne und die Sommerferien. Leute amĂŒsiert euch mit euren eigenen Vorstellungen. Und dann der Herbst. Tja. Haben wir ein echtes Herbstfest? Ich meine, eines, das alle feiern. Eher nicht, oder? Hier weiß man den Herbst zu feiern. In  den LĂ€den hat sich schon alles farblich umgestellt. Orange/Gelb/Braun heißt die Farbkombination. Wegen der bunten BlĂ€tter, oder den KĂŒrbisen, wegen den Sweetpotatos zum Thanksgiving Truthahn oder dem Korn, das nun reif ist und den Pilzen. Erntedankfest – könnte man das bei uns nicht mehr ausbauen? Ich lege in einer Familie, in der die meisten den Herbst fĂŒr die schönste Jahreszeit halten. Endlich kann man die schönen Pullover wieder rausholen, es sich wieder richtig gemĂŒtlich zu Hause machen und bei Dunkelheit einkaufen gehen. (Ja, du!).

Halloween

TotenkUnd was ist nun  mit Halloween? Haben wir damit irgendetwas zu tun? Ist das unser Herbstfest? Nö, behaupte ich. Halloween ist uns ja sowieso angeblich nur von der Industrie eingeredet worden, als 1991 Karneval (wegen dem Irakkrieg) ausfiel und man die KostĂŒme und die Kamelle dann irgendwie doch noch loswerden wollte.

Egal wie: Leute, wenn ihr euch hier in den LĂ€den umschaut, dann wisst ihr, dass das, was wir an Halloween machen, ein kleiner Witz ist. Hier kann man Totenköpfe kaufen! Mit blinkenden Augen! Und jedes Produkt hat ein Halloween Spin-Off. Dass nur die Amerikaner richtig Halloween feiern können, weiß ich eigentlich schon, seit ich das erste Mal durch den Gruselkeller unserer amerikanischen Nachbarfamilie geschlichen bin (ja, ihr!) und ANGST hatte (na ja, immerhin ist dieses Wort in den amerikanischen Sprachgebrauch eingegangen). Da kommen wir nicht ran. Also – lasst uns ĂŒber ein nationales Erntedankefest nachdenken und den Herbst feiern. Und die Spekulatius will ich erst wieder im Dezember in den LĂ€den sehen.

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Filmen in den USA #17 The Mall – The Ball

7. September 2013
The Mall

MallEinmal musste es sein. Ich meine, ich gehe hier tĂ€glich in einen Stop & Shop. Und stehe weinend an der Kasse, weil ich keine Stop & Shop Karte habe, mit der alles gefĂŒhlt die HĂ€lfte kostet, ein Laden, der so riesig ist, dass ich mich immer noch darin verlaufe und jemanden mit dem ich den Laden betrete nicht wiederfinde, wenn wir uns trennen. Aber das kann nicht Einkaufen sein, denn es gibt ja noch die MALL. Am ehesten fĂŒr mich mit dem Centro in Oberhausen zu vergleichen, also einem riesigen Einkaufszentrum, wobei die Mall hier einfach mehr bedeutet.

Die Mall scheint den Dorfplatz  zu ersetzen. Den mag es auch geben, aber wenn, trifft sich da niemand. Treffen tut man sich eben in der Mall. Hier sammelt man sich im zentralen “Fresstempel”, rechts und links verschiedene FastfoodstĂ€nde in der Mitte BĂ€nke und Tische und die sind tatsĂ€chlich voll mit Menschen, die essen, reden, sich begrĂŒĂŸen. Genau das gleiche im zentral gelegenen Coffeeshop. Verglichen damit sind die GeschĂ€fte eher leer, bis auf die KleiderlĂ€den, da gerade “Sommerschlussverkauf” ist. Ich taumele ja eher durch solche Kauflandschaften, das ist wie mit dem Essen am Buffett, es ist einfach zu viel gleichzeitig.

The ball

Aber dann entdecke ich meinen Laden. Nicht zum Einkaufen, sondern zum Staunen. Prom, also der Abschlussball nach der High-School ist also nicht nur eine Erfindung der amerikanischen Fernsehserien, diesen Wahnsinn gibt es tatsĂ€chlich, hier in “the mall”. Ich stehe vor dem Laden, der nur dafĂŒr das ist, MĂ€dchen, ihre MĂŒtter, ihre Schwestern fĂŒr diesen festlichen Event auszustatten. Und zwar komplett. Prom-Kleidung ist offenbar so speziell, dass man hier nicht nur das Kleid, sondern auch die Schuhe, die Tasche, den Schmuck gekommt.

Erinnert fĂŒr einen Berliner sehr stark an tĂŒrkische HochzeitslĂ€den, auch die krĂ€ftigen, pinkigen Farben. Alles wirkt nicht sehr real, was wohl daran liegen mag, dass man den Schaufensterpuppen nur noch einen Zauberstab in die Hand geben muss, um sich wie in einem Disneyfilm zu fĂŒhlen. Cinderella. Am Ende der Prom wird eine Prom-Queen und ein Prom-King gewĂ€hlte, aber wenn man keine Krone bekommt, kann man sich die hier bestimmt auch nachkaufen.
Ich verlasse die Mall etwas durcheinander. Das fröhliche gemeinsame Fast-Food-Essen in Sommershorts, Flipflaps und Basecap und dann dieser Shop, in dem man sich in Cinderella verwandlen kann, um auf einen Ball zu gehen, dessen starker sozialer Druck mindestens so groß ist wie zu Aschenputtels Zeiten.

Wenn ich wĂ€hlen könnte – der Ball. Beim ersten Mal. Danach bitte lieber das Miteinander im Futterhimmel.

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Filmen in den USA #16 Kingston

6. September 2013
Kingston

Nicht, dass dies hier ein Reisebericht sein soll … doch ich bin selber ĂŒberrascht, wie sehr mich die Orte, die mir hier sozusagen vor die FĂŒĂŸe geworfen werden, da ich mich ja nicht entscheide, aus eigenen Antrieb dort hinzufahren, dann faszinieren. Heute Kingston, und dort irgendwo in einem Bezirk, den man vielleicht KĂŒnstlerviertel nennen könnte. HĂ€user, die eigentlich verlassen aussehen, und dann doch offenbar bewohnt sind, weil ein Auto vor der TĂŒr steht.

Wobei man nicht von dem Auto auf das Haus schließen kann. Die Autos, nagelneu und aufgepimpt, das Haus kurz vor dem Einsturz. Überhaupt Autos, eine Mischung von neu, alt, groß, klein, gigantisch (wie die Laster hier), die Vergangenheit existiert hier neben der Gegenwart und erzeugt eine schwer einzuschĂ€tzende Stimmung. Dringe ich in etwas ein oder freut man sich ĂŒber Besuch?

kingstonKeine Ahnung. Stromkabel sind wie provisorisch ĂŒber die Straße gespannt, fĂŒhren zu HĂ€usern, die den Strom auf diese Weise bekommen? Bezahlen?

Ist hier eine wilde, freie, anarchische und kreative Community oder ist es Armut, Verfall, AgressivitÀt? Auch keine Ahnung, vermutlich eine Mischung aus allem, alles ist nah beieinander und vertrÀgt sich offenbar ganz gut.

Fast möchte man ein Haus in Kingston kaufen, hier leben, um zu sehen, was dann wohl passiert. Aber gerade bin ich ganz froh, bald wieder zu Hause zu sein.

 

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Filmen in den USA #15 Endless Shelfs of Books

5. September 2013
Buchladen

GegenĂŒber der Hotelanlage ist ein Buchladen und es war klar, dass ich darĂŒber bloggen wĂŒrde. Sagte ich Buchladen? Es ist mehr eine, hm, Buchhalle. Ich kenne den ein oder anderen  (tatsĂ€chlich renne ich in jeden, wenn ich einen sehe …) Barnes & Nobels in New York, aber der B & N in Poughkeepsie schlĂ€gt sie alle. Sagen wir einfach, weil es eine schöne Geschichte ist – das ist auch ganz richtig so. Immerhin hat Poughkeepsie eine EliteuniversitĂ€t (das Vassar College) auf der so interessante Persönlichkeiten studiert haben wie Jane Fonda (ohne Abschluss, aha), Jackie Onassis (Frau von Kennedy und, ach, die hat also studiert), Pulitzer-PreistrĂ€gerin Jane Smiley, die Dichterin Elizabeth Bischop, Anne Hathaway und Meryl Streep. (Ihr seht, demnĂ€chst kann man mich als StadtfĂŒhrerin anstellen). Okay, lassen wir das vollkommen unbeeindruckt beiseite. Was ich sagen wollte: Der Buchladen ist riesig und sieht aus wie eine große Bibliothek.

Vielleicht nicht so schön wie die New Yorker Bibliothek, eher so UniversiĂ€tsbibliothek Berlin, aber die Regale, das fade Licht, kommt absolut hin. Erdgeschoß: Allgemeine Bellestristik und Starbucks (fein sĂ€uberlich abgetrennt), oben: Kinderbuch und – mein Reich – Jugendbuch/Spezielle Bellestristik & Graphic Novel. Ganz wichtig, die JugendbĂŒcher stehen zwischen den BĂŒchern der Erwachsenen und nicht  etwa in der Kinderabteilung wie bei uns. Interessante Genre-Unterteilungen: Teen Paranormal Romance und New Teen Paranormal Romance. Okay, WAS ist der Unterschied? Oder: Survival Stories. Auf vergleichsweise kleinen BĂŒchertischen finden sich dann die Besteller und die Autoren, die versucht haben, genauso zu schreiben, wie die Bestsellerautoren, was nicht sehr einfallsreich ist, aber anscheindend funktioniert. Passion & Romance: Apfel, Kirschen und Erbeeren auf dem Cover, das wird bei uns dann auch bald kommen.

Bestseller

Den letzten Apfel auf dem Cover haben wir – na? – Genau. Auf dem Cover des ersten Twilight-Bandes gesehen (Bei uns Taschenbuch Piper, um genau zu sein). Twilight ist mittlerweile schon von Topaktuell – oberes Regalfach – ins untere Regalfach abgewandert. Auch irgendwie hart, wobei man Stephenie Meyers bestimmt nicht bemitleiden muss. Was bestsellermĂ€ĂŸig im Angebot ist, unterscheidet sich nicht viel von dem Angebot bei uns. NatĂŒrlich ist da auch das Shades-of-Grey-und-Ă€hnliches Regal. shadesHabt ihr von dem Aufschrei nach Bekanntgabe der Besetzung gehört? Großes Thema hier und vermutlich wieder mal viel Wirbel um nichts, wir erinnern uns an Pattinson. LĂ€cherlich, da höre ich gar nicht hin. Und was ist das da fĂŒr ein Spieleset unter den SOG-BĂŒchern? Handschellen? Peitschen? Können da mehrere mitspielen? Nein, keine Handschellen, es gibt nur Fragen. Hm. Wobei mir eine nette kleine Abschiedsanekdote einfĂ€llt. Die Polizei in Großbritannien muss wesentlich mehr EinsĂ€tze fahren, um Menschen  zu befreien, die nackt ans Bett gefesselt sind und die Handschellen  nicht mehr aufbekommen.

Dann doch lieber das Kartenspiel …

 

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Filmen in den USA #14 Himmel ĂŒber Poughkeepsie

4. September 2013
Poughkeepsie

Okay, gestern war einer dieser Tage, wo ich das Schöne suchen musste, weil es verschwunden war. Und mein letzter Blogbeitrag war ein typischer “Move”, wenn ich in dieser Stimmung bin oder in diesem Zustand. Ich habe das auch nicht gerne. Aber es ist definitiv etwas, was ich gerne beschreibe. Denn es gehört dazu. Zur Kunst, zum Leben. Daher enthĂ€lt auch meine Kunst manchmal nicht so schöne Dinge. Im Großen, wie im Kleinen. In SĂ€tzen und BĂŒchern, genauso wie in Zeichnungen und Ausstellungen. Ich weiß, dass es einigen nicht gefĂ€llt: “Sie kann doch so nette-liebe-angenehme BĂŒcher schreiben, wieso macht sie jetzt SOWAS?” “Die bunten Bilder von dir mag ich, aber WAS IST DAS?” Ja, was? Ich mag die Bewegung. Beide Seiten.

9/11

Zum Beispiel Poughkeepsie. Der Ort im Bundesstatt New York, wo ich mich gerade befinde (Goodreads weiß das komischerweise …). Als der Fahrer, ein Feuerwehrmann, uns vom Flughafen New York-Newark hierher gefahren hat, habe ich ihn nach dem Namen – Poughkeepsie – gefragt. Immerhin kommt er von hier, wohnt hier. Es klingt wie ein alter Indianername, fand ich. Und er: “Keine Ahnung”. Er war nett, optimistisch, gesprĂ€chig, lustig. Wir hatten ein gutes GesprĂ€ch. Und ich musste eine weitere Frage stellen – immerhin Feuerwehrmann. (Ich spreche das Unangenehme auch gerne an …). Und er hat geantwortet. An 9/11 hat eine Freundin ihm abgeraten, zum Sondereinsatz nach New York zu fahren. Sie sagte: “Die laufen hier alle mit den falschen Staubmasken rum, das ist nicht gesund. Bleib wo du bist!” Hat er gemacht. Kollegen haben Probleme mit der Lunge bekommen, Husten. Er nicht. Und dann haben wir wieder gelacht.

Himmel

Himmel-2Ich meine, das macht es irgendwie aus, dass es so nah beieinander liegt – das Schöne und das Nichtsoschöne – und ich habe es gerne nah beieinander. Im Leben, in der Kunst. Sogar in diesem Blogbeitrag. Gestern war Poughkeepsie der hĂ€sslichste Ort der Welt. Ich war mir ganz sicher. Heute dann dieser Himmel und ich schwöre, so etwas habe ich noch nie gesehen. Als ob man die ErdkrĂŒmmung sieht, sagt meine Begleiterin. Genauso. Und aus irgendeinem Grund, wollte ich es dann doch noch mal wissen, mit dem Namen dieses Ortes. Und … klar ist es eine indianische Bezeichnung: Uppu-qui-ipis-in oder U-puku-ipi-sing bedeutet so viel wie „HĂŒtte (oder Lager) am (kleinen) Wasser“. Gemeint ist eine Quelle oder ein Zufluss des Hudson River. Hm, was fĂŒr ein  schöner, poetischer und verrĂŒckter Name. Ich glaube, jetzt muss ich den Ort einfach lieben.

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Filmen in den USA #13 Labor Day

3. September 2013
Labor Day

Heute ist Labor Day in den USA. Tag der Arbeit und warum der in den USA nicht im Mai, sondern lieber im September gefeiert wird – keine Ahnung. Der erste Montag im September ist arbeitsfrei und markiert gleichzeitg das Ende der Ferien oder optimistischer gesagt: ein letztes freies, langes Wochenende, bevor es in den Herbst geht. FĂŒr heute habe ich mir zwei Dinge vorgenommen (neben dem Üblichen): Die direkte Umgebung hier zu dokumentieren – ja, dies ist der Tag der Wahrheit – und Herauszufinden, was Labortag eigentlich bedeutet. Nun. Die Deutschen gehen ganz unbeeindruckt ans Set und drehen völlig unbeeindruckt und es ist auch nicht so, dass die GeschĂ€ft geschlossen hĂ€tten. Im Gegenteil. Seit Tagen hĂ€ngen ĂŒberall Schilder in den LĂ€den fĂŒr den Labor-Sale, womit dann ganz schnell die Frage geklĂ€rt ist, was man an dem Tag macht. Logisch, es gibt Tage, da arbeitet man, und Tage, da gibt man das Geld aus, das man verdient hat. Denn heute ist alles billiger.

Gut und Billig

Das Preissystem hier ist speziell und ich hatte das GlĂŒck, eine vollstĂ€ndige Lektion zu bekommen, als ich mir gestern eine Jacke bei Macys gekauft habe. Die Jacke gefiel mir und mir gefiel auch das Schild 40 % off. Wahnsinn, fast die HĂ€lfte, weil Labor Day-Sale. Wenn es eine Jeanshose gewesen wĂ€re, hĂ€tte ich sogar noch den 10 Dollar Gutschein bekommen. Den Bonus also nicht. Dann gab es aber noch zwei Schilder fĂŒr Menschen mit einer Macys Karte, die unter bestimmten Bedingungen bis zu 100 % Rabatt bekommen konnten . HÄ? Egal, mir reichten 40 % und ich ging zur Kasse. Ich glaube, es war eine Filialleiterin, denn sie erlaubte stĂ€ndig anderen VerkĂ€uferinnen auf die Toilette zu gehen, jedenfalls war ich in erfahrenen HĂ€nden. Labor Day ist fĂŒr VerkĂ€ufer so etwas wie Weihnachten. Sie können die KĂ€ufer mit Rabatten bescheren. Macys-Karte? Nope. Na, das bekommen wir doch hin, denn – Moment mal: Tipp, tipp, tipp in den Taschenrechner, mit der Karte mĂŒsste ich nur noch 40 % fĂŒr die Jacke bezahlen! Na, ist das was?! Kreditkarte und FĂŒhrerschein? Kreditkarte: ja, FĂŒhrerschein: nein. Etwas anderes? ID? Nein, nicht dabei. Hm. Und wo wohne ich? Hotel – Hm. Hm. Ich mĂŒsste hier eine Adresse haben. Blick auf den Computer=Kasse. Hm. Ich wage zu sagen, dass ich die Jacke auch so nehmen wĂŒrde. Ich habe vergessen, wieviel sie kostet, ich habe den Preis vergessen, als ich zum ersten Mal gerechnet habe, also okay, oder? Nein, eigentlich will sie mich nicht so gehen lassen. Doch – nein es geht leider nicht. Hm. Schade. Ich soll morgen wieder kommen. Okay? Cherio! ***

Umgebung

Nun, ich komm nicht wieder. Ich lade mir am Morgen eine neue Foto-App auf mein iPhone, die absolut geeignet ist, damit die Umgebung zu erkunden. (Merke: aus hĂ€sslichen Dingen kann man immer noch Kunst machen). Bevor es wie verrĂŒckt zu schĂŒtten beginnt, mache ich also eine kleine Tour um das Hotel, das wie eine Insel auf einem Parkpatz liegt, der fast die gleiche GrundflĂ€che einnimmt. Und ihr dachtet, ich bin im Paradies, nicht? Auf der nĂ€chsten Insel sind ein paar GeschĂ€fte, das Übliche: Diner, Starbucks, ein Möbelladen. Moment mal – ich seh’ da was, da muss ich rein. Denn hier sind sie endlich! Die Sessel, die bei Starbucks immer rumstehen, und die man in Deutschland nirgendwo kaufen kann! (Wir haben es versucht). Das gibt es doch nicht. In allen GrĂ¶ĂŸen und Farben und Formen. Die will ich haben. Kurze Überlegung, ob ich mir einen Sessel kaufe. Na? 20 % off Labor-Sale und dann noch Sommerschlussverkauftsrabatt und wenn ich mir noch eine Store-Karte hole – fast geschenkt. Bleibt nur die Frage, wie ich das Ding nach Hause bekomme …

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Filmen in den USA #12 Time Square

2. September 2013
New York – Time Square

Ich muss noch einmal nach New York zurĂŒckkehren, zumindest mental. An einen Ort, den ich ĂŒberhaupt nicht verstehe. Was geht da vor? Time Square. Nun, eigentlich weiß ich es: Dort befinden sich etwas 40 Theater, Musical-HĂ€user, dazu Kinos, das MTV Studio, Sony, die Vogue, ja, ja. FrĂŒher ein magischer Ort, mit berĂŒhmenten Hotels, zitiert in jedem New York Film, spĂ€ter verwahrlost, in den 80ern wiederbelebt.

Das meine ich nicht. Ich meine: was geht da eigentlich ab? Es laufen so viele Reklamefilme gleichzeitig, dass man sich auf keinen richtig konzentrieren kann. Ein Film geht in den anderen ĂŒber, eine Reklame in die nĂ€chste. Es ist eine einzige Farbexplosion, ein riesiger Kaugummiautomat mit bunten Kugeln.
Diesmal besonderes heftig, da etwa 50, wahrscheinlich aber 100 Menschen (vermutlich arme Studenten…) als Micky Maus, Freiheitsstatur, Oskar aus der Sesamstraße, Woody aus Toy Story und so weiter verkleidet herumlaufen.

Groß und bunt

time SqSeit ich als sehr kleines MĂ€dchen in Berlin auf dem Ku-Damm von einem großen BĂ€ren mit BerlinschĂ€rpe begrĂŒĂŸt worden bin, habe ich ANGST vor lebendigen Souveniers. Gut, aber das gehört vielleicht nicht hierher. Denn ansonsten bin ich und war ich auch diesmal wieder absolut fasziniert  vom dem zu viel, zu groß, zu bunt an dieser Stelle von New York. Es ist wie Weihnachten als Kind, man war so klein, der Baum so groß, und bunt und alles glitzerte. Boah!  Über die Jahre wird man grĂ¶ĂŸer – vielleicht der Baum auch kleiner – und am Ende lĂ€chelt man nur noch lĂ€ssig – Been there, done that. Aber am Time Square … jedes Mal das Gleiche. Man biegt um die Ecke, sieht die Lichter und – BOAH. Selbst jeder Lastwagen und jedes Taxi sieht auf einmal nur noch wie ein vergrĂ¶ĂŸertes Spielzeug aus. WOW. Ich glaube, das ist es. Und nur darum geht es hier. Hat das mit Kunst zu tun? Naaa, eher nicht. Mit Leben? Nope. Schon gar nicht. Das ist einfach nur Show. Tada! – Enjoy.

 

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Filmen in den USA #11 Central Park

1. September 2013
Central Park

Die grĂŒne Lunge von New York, wie man so sagt. Und, ja, wenn man aufatmen will, ist man hier richtig. Ich schleppe mich mit letzter Kaft (zu heiß, zu laut, zu voll) in eine der Ă€ußersten Ecken des Parks, die Playground-Ecke, picknicke und sehe staunend, dass man dort einen kleinen eingezĂ€unten Rummel in einer Senke aufgebaut hat.

Spaß kannst du eben nur haben, wenn die Natur draußen bleibt. Okay. Daran glaube ich nicht und schlage mich in den Park, den ich sonst nur im FrĂŒhjahr und Herbst kenne und der mir auf einmal wie ein Urwald vorkommt. Von hier aus scheint der Park die Stadt langsam zu erobern. Obwohl man versucht, alles unter Kontrolle zu halten.

Kleine ZĂ€une trennen Erde von Gehweg und nur ein paar abenteuerliche Jugendliche sind auf einen Felsen (!) geklettert, hocken da oben und grinsen herunter. Ich bin hin- und hergerissen, wie gut ich diese Parkgestaltung finde. Ich meine, ich liebe ihn fĂŒr viele Dinge, die man in deutschen Parks eindeutig vermisst. Ausreichende Sitzgelegenheiten zum Beispiel. Hier gibt es ĂŒberall BĂ€nke und die Möglichkeit, sich auf die Wiese zu setzen. Wir Potsdamer, mit unseren Parks, die zum Weltkulturerbe gehören, wissen, dass das nicht selbstvertstĂ€ndlich ist.

Hot Dog Time

Und auch die Möglichkeit, mir ĂŒberall etwas zu Essen zu kaufen. Tschuldigung, aber in der Natur bekomme ich Hunger. Hotdog/Eis/PrezelstĂ€nde. Das kenne ich in Berlin nur aus dem Zoo und fand das immer so einleuchtend. Dazu diese kleinen Wasserspender, die aussehen wie VogeltrĂ€nken, aber perfekt sind, wenn man ein wenig Durst hat. Das Wasser kann man trinken, ich habe es getestet und lebe noch. Nach einer Woche hier habe ich mich auch schon daran gewöhnt, denn es schmeckt, als ob man einen Schluck aus dem öffentlichen Schwimmbad  nimmt.

Der See

Zum ersten Mal gehe ich um den “Lake” und sehe zurĂŒck auf die Stadt. Mann, ist der groß! Dabei ist es nur einer der kleinen Seen im Park. Wahnsinn, die Aussicht, die Boote auf dem See, die BĂ€ume dahinter und fĂŒr einen Momnet habe ich das Photoshop-GefĂŒhl, drei Ebenen, einfach in einanderkomponiert. Sorry, StĂ€dter eben. Als ich dann noch ĂŒber eine kleine HolzbrĂŒcke gehe und den Zugang zum See finde, habe ich den Kontakt zur RelaitĂ€t endgĂŒltig verloren. Perfektes Szenenbild. Logisch auch, dass ich nicht mehr aus dem Park herausfinde. Einzige Erinnerung: Es ist nicht so einfach und das ist vermutlich auch volle Absicht. Von wegen Lunge! Central Park ist Herz und Blutkreislauf dieser Stadt.

Essen

 

 

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Filmen in den USA #10 Midtown New York

31. August 2013
Midtown Girl

Ein drehfreier Tag – ich muss sofort nach New York! Wenn die Stadt ein Mann wĂ€re, hĂ€tte ich ein echtes Problem. GefĂŒhlt wĂŒrde ich gerade gerne dort bleiben, no matter what. Doch erstmal ist es nur ein weiteres Date. Diesmal Midtown, denn Manhattan teilt sich fĂŒr mich perfekt in zwei Welten.

Downtown – die Seinfeld-Welt (obwohl Seinfeld in Midtown wohnt)

Midtown – das Gossip Girl-Universum.

Downtown steht dabei fĂŒr alles, was mich als Malerin/Schriftstellerin ausmacht, Midtown fĂŒr die GeschĂ€ftsfrau/Agentin/Verlegerin in mir. Die Malerin schoppt nicht. Die Autorin schon gar nicht. Das höchste der GefĂŒhle: Ein iPhone Stecker.

Midtown Lady

Die Agentin/Verlegerin ist anders. Sie mag schöne Dinge. Und was das Outfit angeht, gibt es eine einfache Regel: Schuhe, Sonnenbrille, Kosmetik – von absolut bester QualitĂ€t – was teuer bedeutet. Um den Rest kĂŒmmert sich die KĂŒnstlerin und findet kreative, gĂŒnstige, geniale Lösungen. Heute war GeschĂ€ftsfrau-Tag. 5. Avenue, Shoppen. Wieso hat Bobby Brown die Verpackung ihres Concealers geĂ€ndert?

Die vorherige war genial, unten der Puder, oben der Concealer, im Deckel ein kleiner Spiegel. Das gefĂ€llt mir gar nicht, die neue Verpackung sieht billig aus. Ich kĂ€mpfe mit mir, aber das kann nicht gekauft werden, obwohl es einer der weltbesten Concealer ist. Stattdessen nehme ich ein cremiges Rouge von Bobby Brown, Farbe Powder Pink, der Name schon Poesie und die Farbe genial. Wenn ich im Shoppingmodus bin, dann kann ich schnell und viel kaufen. An guten Tagen ist das auch ein kreativer Akt, keine FehlkĂ€ufe, nur mutige neue Entscheidungen, eine Persönlichkeitserweiterung. Die Malerin versteht das, Farben und Stoffe sind wichtig, die Autorin ist skeptisch, aber dann gibt es viele kleine Beobachtungen, wie sollte ich sonst meine BĂŒcher schreiben?

Beauty and Beast

Allein die heftig ĂŒberschminkten VerkĂ€uferinnen in den Kosmetikabteilungen wĂ€ren mindestens eine Kurzgeschichte wert. Gegessen (immer wichtig) wird unterwegs. Pret a Manger. Sehen die kleinen Sternchen nicht wie die auf meiner Website aus? Genau. Und die roten Sternchen bei Macy`s auch. Mit den kleinen Delikatessen geht man dann wie die New Yorker am besten in den Central Park, sucht sich eine schöne Stelle auf einer der Wiesen und picknickt. Genial. Und hier sind sich glĂŒcklicherweise alle meine Persönlichkeitsanteile einig. Aber davon erzĂ€hle ich morgen …

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