Filmen in den USA #19 Mittelplatz-Story

Der verschmähte Mittelplatz

So ist das eben, wenn der Flug auf früher umgebucht wird. Die Maschine ist voll und als ich entspannt eintrudele, ist da nur noch ein Mittelplatz. Eigentlich kein Ding. Doch schon etwas seltsam, wenn man zwischen einem Ehepaar sitzt. Wollen Sie nicht zusammensitzen? -Nein, wir sind seit 25 Jahren verheiratet … Ach so. Und dann fällt es einem auf. Der Mittelplatz ist das Stiefkind der Economy-Class, der Katzentisch, die größte Ungerechtigkeit. Überall woanders ist Mitte okay. Zum Beispiel im Kino – mein absoluter Lieblingsplatz: “Mitte, Mitte. Bitte!” Ganz allgemein ist Mitte vielleicht nicht top, aber eben auch nicht flop. Mittelmäßig, aber nicht eingeklemmt=ausgestoßen. Der Mann des etwa 60-jährigen Paares sitzt am Fenster, Ohrstöpsel in den Ohren, er wird sowieso schlafen. Wenn er schnarcht, soll ich mir von seiner Frau zeigen lassen, wie man das abschaltet. Ha, ha. Lustig?

Upgrade zur 1. Klasse, bitte

Warum sitzt er am Fenster, wenn er nicht raussehen will? Nun, als es etwas zu sehen gibt, ist er dann doch hellwach. Beim Bus wäre es undenkbar, aber im Flugzeug ist es ganz klar: Wer am Fensterplatz sitzt, ist auch der Herrscher des Fensters. Sonnenuntergang? Schau ich mir an! Wenn ich genug davon hab, Jalousie runter. Ja, er ist auch der Herrscher über hell und dunkel.

Ich sehe zu seiner Frau auf dem Gangplatz. Ich habe vor der Sicherheitskontrolle meine Wasserflasche heruntergekippt, ich müsste mal raus. Wer am Gang sitzt, kann aufstehen, kommen und gehen wann er will. Und schlafen. Dann muss man sie eben wecken. Wieso wollen die beiden nicht nebeneinander sitzen? Ganz klar, der Mittelplatz ist so mies, dass sich das Paar sogar auseinandersetzt, um ihn zu vermeiden. Er müsste billiger sein. Oder es müsste einen Ausgleich geben. Bildübertragung aus dem Cockpit mit Blick geradeaus in die Wolken, nur für den Mittelplatz. Denn was habe ich sonst? Die Frau klappt unsere (!) Armlehne herunter. Falls ich meinen Arm ablegen möchte. Nett gesagt. Drei Stunden später ruhen die Ellenbogen des Ehepaares auf unseren gemeinsamen Armlehnen. Der Mittelgang hat also auch keine Armlehne. So sieht es aus.

flugSehen wir das Positive. Man lernt seine Hühnchenbrust mit an den Körper gepressten Armen zu schneiden. Vielleicht braucht man das noch mal im Leben. Oder warte, nein, eigentlich nicht. Mir fällt ein Interview mit Robert Pattinson ein. Sein Luxus: Fliegen. Los Angeles – London 20 000 Dollar in der 1. Klasse. Für eine Jeans sind ihm eigentlich schon 200 Dollar zu viel. Verstehe. Und nie wieder das Problem mit dem Mittelsitz. 1. Klasse – ich komme.

Ach, was ich eigentlich sagen wollte: Ich bin wieder zurück, Berlin 16 Grad Regen, hallo Europa!

3 Comments

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    IraW
    10. September 2013 at 9:51

    Hallo Katrin,
    das klingt ja nach einem ganz überwältigenden Flug…
    Aber schön, dass Du wieder da bist!
    Liebe Grüße,
    Ira

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    LIPPSTREU
    11. September 2013 at 12:31

    super, diese sehr witzige Beschreibung, auch wenn man dahinter etwas Wut verspürt, nach ja scheinbar hast du bei deinen Atlantikflügen kein Glück. Ich habe nach meinen vielen Flügen und einer langen Arbeit an mir etwas besser gelernt, mir nicht mehr alles gefallen zu lassen, als Gegenwehr pupse ich jetzt sogar mal ganz kräftig, wenn ich meine Nachbarn nicht mag…..

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      Katrin
      11. September 2013 at 13:26

      Ich bin ja von Dreistigkeit immer wieder fasziniert. Wut habe ich selten, aber natürlich lasse ich bei einem solchen Post auch Dampf ab. Pupsen? Okay, du bist schon in einer ganz anderen Liga. Ich denke, da arbeite ich mich doch eher in die 1. Klasse vor.

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