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Mittelplatz

Filmen in den USA

Filmen in den USA #19 Mittelplatz-Story

9. September 2013
Der verschmÀhte Mittelplatz

So ist das eben, wenn der Flug auf frĂŒher umgebucht wird. Die Maschine ist voll und als ich entspannt eintrudele, ist da nur noch ein Mittelplatz. Eigentlich kein Ding. Doch schon etwas seltsam, wenn man zwischen einem Ehepaar sitzt. Wollen Sie nicht zusammensitzen? -Nein, wir sind seit 25 Jahren verheiratet … Ach so. Und dann fĂ€llt es einem auf. Der Mittelplatz ist das Stiefkind der Economy-Class, der Katzentisch, die grĂ¶ĂŸte Ungerechtigkeit. Überall woanders ist Mitte okay. Zum Beispiel im Kino – mein absoluter Lieblingsplatz: “Mitte, Mitte. Bitte!” Ganz allgemein ist Mitte vielleicht nicht top, aber eben auch nicht flop. MittelmĂ€ĂŸig, aber nicht eingeklemmt=ausgestoßen. Der Mann des etwa 60-jĂ€hrigen Paares sitzt am Fenster, Ohrstöpsel in den Ohren, er wird sowieso schlafen. Wenn er schnarcht, soll ich mir von seiner Frau zeigen lassen, wie man das abschaltet. Ha, ha. Lustig?

Upgrade zur 1. Klasse, bitte

Warum sitzt er am Fenster, wenn er nicht raussehen will? Nun, als es etwas zu sehen gibt, ist er dann doch hellwach. Beim Bus wĂ€re es undenkbar, aber im Flugzeug ist es ganz klar: Wer am Fensterplatz sitzt, ist auch der Herrscher des Fensters. Sonnenuntergang? Schau ich mir an! Wenn ich genug davon hab, Jalousie runter. Ja, er ist auch der Herrscher ĂŒber hell und dunkel.

Ich sehe zu seiner Frau auf dem Gangplatz. Ich habe vor der Sicherheitskontrolle meine Wasserflasche heruntergekippt, ich mĂŒsste mal raus. Wer am Gang sitzt, kann aufstehen, kommen und gehen wann er will. Und schlafen. Dann muss man sie eben wecken. Wieso wollen die beiden nicht nebeneinander sitzen? Ganz klar, der Mittelplatz ist so mies, dass sich das Paar sogar auseinandersetzt, um ihn zu vermeiden. Er mĂŒsste billiger sein. Oder es mĂŒsste einen Ausgleich geben. BildĂŒbertragung aus dem Cockpit mit Blick geradeaus in die Wolken, nur fĂŒr den Mittelplatz. Denn was habe ich sonst? Die Frau klappt unsere (!) Armlehne herunter. Falls ich meinen Arm ablegen möchte. Nett gesagt. Drei Stunden spĂ€ter ruhen die Ellenbogen des Ehepaares auf unseren gemeinsamen Armlehnen. Der Mittelgang hat also auch keine Armlehne. So sieht es aus.

flugSehen wir das Positive. Man lernt seine HĂŒhnchenbrust mit an den Körper gepressten Armen zu schneiden. Vielleicht braucht man das noch mal im Leben. Oder warte, nein, eigentlich nicht. Mir fĂ€llt ein Interview mit Robert Pattinson ein. Sein Luxus: Fliegen. Los Angeles – London 20 000 Dollar in der 1. Klasse. FĂŒr eine Jeans sind ihm eigentlich schon 200 Dollar zu viel. Verstehe. Und nie wieder das Problem mit dem Mittelsitz. 1. Klasse – ich komme.

Ach, was ich eigentlich sagen wollte: Ich bin wieder zurĂŒck, Berlin 16 Grad Regen, hallo Europa!