Stephen Kings “On Writing” #12 Der Hit

Der Hit

Bei King beginnt ein neues Kapitel, nach “Toolbox” folgt “On Writing”. Wenn ein Buch”On Writing” heißt und man an das Kapitel “On Writing” kommt, dann ist man zum Herzstück des Buches vorgedrungen. Interessanterweise auch genau in der Mitte.

FotoEs ist wie mit einer LP. Der Song, der wie die Platte heißt, okay, hier erwarten wir den Hit. Aber anders als der Hit auf der Platte, wo wir zu Recht erwarten, nun Abtanzen zu können, kommt bei King an dieser Stelle die harte Lektion.

Harte Worte

Die erste These hat er uns im Kapitel davor schon erzählt: Gutes Schreiben besteht darin, die Grundlagen zu beherrschen (Wortschatz, Satzbau, Stilelemente) und sie richtig anzuwenden. Seine Worte:

… filling the third level of your toolbox with the right instruments.

Hat er vorher wirklich über das dritte Level der Toolbox gesprochen? Nein, nicht wirklich, also schaut mich jetzt nicht fragend an.

Gute, großartige, fähige und schlechte Autoren

Die zweite These ist etwas unkonventioneller: Während es  unmöglich ist, aus einem schlechten Autoren einen fähigen/tüchtigen zu machen, oder aus einem guten Autoren einen großartigen, ist es sehr wohl möglich, mit viel harter Arbeit und Unterstützung aus einem bloß einigermaßen fähigen Autoren einem großartigen zu machen. What?

Ich kann das nur verstehen, wenn ich es auf das Schauspiel übertrage. Ich sehe seit zehn Jahren Schauspieler am Set spielen, ich bekomme regelmäßig Videomaterial zugesandt oder angehende Schauspieler spielen mir vor. Ich war immer davon überzeugt, dass man Schauspiel – natürlich – lernen kann und alles möglich ist. Ich habe diese Überzeugung verloren und ich würde King, hätte er das Obige über das Schauspiel gesagt, sofort zugestimmen. Vielleicht, weil ich betriebsblind bin, was das Schreiben angeht. Beim Schauspiel ist es für mich ganz eindeutig. Mittelmäßige Schauspieler werden keine großen Schauspieler, grottige Schauspieler keine mittelmäßigen. Aber – wenn jemand das Besondere “ginga” hat, dann kann er mit viel Leidenschaft und einem guten Training praktisch von der Grundlinie aus ganz groß werden.

Underdogs

King ist ein Freund der Underdogs, die es nach oben schaffen. Nun, er ist selber einer. Und wie die meisten Underdogs ist er ein großer Verfechter von harter Arbeit. Ich bin kein Underdog, nie gewesen, eher das Gegenteil, aber ich weiß, wovon  er spricht, und ich weiß, dass man die Grundlagen lernen muss. Ins Basement gehen. Harte Arbeit. Und wenn man sich dort eingerichtet hat, dann kommt vielleicht die Museoder der Muser (bei King ist es ein Mann – sorry for that) und fügt Magie hinzu.

Sind wir schon wieder bei der Magie? Gibt es denn gar nichts Handfestes? Vielleicht nach der Mitte des Buches. Mal sehen.

 

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