Stephen Kings “On Writing” #20 Dialoge

Dialoge

Plapperdiplapperdiplapp. Ich bin an einem meiner Lieblingsabschnitte von Stephen Kings “On Writing”: Dialoge. Was ich euch bisher verschwiegen habe: King spart in “On Writing” nicht mit Beispielen. Guten wie schlechten.

“When dialogue is right, we know. When it’s wrong we also – it jaks on the ear like a badly tuned musical instrument.” King

Lovecraft gilt als einer der einflussreichsten Autoren im Bereich der phantastischen Literatur (Wiki) und King sagt: Bad Dialogue. Okay, sein Beispiel überzeugt mich (und ich tue es euch nicht an). Interessant ist die Erklärung, die King für Lovecrafts Versagen findet: Nach King war er snobistisch und schüchtern und hatte keine Ahnung, wie Leute reden, da er zurückgezogen lebte.

Reden und Zuhören

Das sollte man wohl schon mögen, wenn man gute Dialoge schreiben möchte: Reden und Zuhören. Für mich bedeutet es vor allem – Aufschnappen. Ich erinnere mich, wie ich an einem Skateplatz vorbeifuhr und hörte, wie ein Typ sagte: “Das prangere ich an!” Ein Helge Schneider-Zitat, das Skateplatz-Slang geworden ist. Genial. Gemerkt, benutzt.

Starke Dialoge findet King bei Elmore Leonard. Weil sie glaubhaft sind, weil sie stimmig sind, weil sie zu den Charakteren, zu der Situation, zum Thema passen.

“As with all other aspects of fiction, the key to writing good dialog is honesty.” King

Aufrichtigkeit

Aufrichtigkeit. Für King, der, wie er sagt, täglich Briefe von erbosten Lesern bekommt, weil er seine Charaktere – fuck! – einfach sprechen lässt, ein wichtiger Punkt. Nur weil es bestimmte Leute stört, kann man einen Charakter nicht “Oh, sugar!” sagen lassen, wenn “Oh, shit!” richtiger wäre.

Guter Dialog beschreibt sowohl die soziale, als auch persönliche, als auch charakterlichen Eigenschaften der Figuren näher. Alles klar, der doppelte Salto mit der Schraube und dann noch ohne Spritzer ins Wasser. Wobei das wohl am besten gelingt, wenn man Protagonisten sprechen lässt in deren Welt oder Slang oder Umgebung oder Verfassung man sich einigermaßen auskennt. Damals, zur Preisverleihung von Radio Gaga, bin ich mit der ganzen Familie angereist. Zwei Erwachsene, drei Kinder. Zwei Töchter, ein Sohn, aber der hatte gerade schulterlange blonde Haare. Und ich wurde gefragt:

– “Wie können Sie denn aus der Perspektive eines Jungen (Rocco, in “Radio Gaga”) schreiben, wenn sie drei Töchter haben?”

Quelle:http://www.mbird.com/2011/11/the-gospel-according-to-peanuts-the-church-and-the-arts/Was für ein traumhafter Moment: Hier nehmen sie ihren Preis zurück und lassen sie mich in Ruhe. Aber man ist ja höflich. Und sicher habe ich auch meinem 12 jährigen Sohn nicht auf den Mund geschaut, um einen 16 jährigen Helden zu erfinden. Aber ich habe zwei Brüder und irgendwie ein Ohr für Jungs-Talk. “Ich scheiss die Wand an.” (Übersetzt: das ist ja irre! oder Ich glaub’s nicht)  Hätten meine Brüder früher nicht gesagt, wird aber heute gesagt. Hat mir übrigens meine Tochter erzählt. Und ich hab es mir – gemerkt.

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