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Stephen King - On Writing

Stephen Kings “On Writing” #12 Der Hit

23. September 2013
Der Hit

Bei King beginnt ein neues Kapitel, nach “Toolbox” folgt “On Writing”. Wenn ein Buch”On Writing” heißt und man an das Kapitel “On Writing” kommt, dann ist man zum HerzstĂŒck des Buches vorgedrungen. Interessanterweise auch genau in der Mitte.

FotoEs ist wie mit einer LP. Der Song, der wie die Platte heißt, okay, hier erwarten wir den Hit. Aber anders als der Hit auf der Platte, wo wir zu Recht erwarten, nun Abtanzen zu können, kommt bei King an dieser Stelle die harte Lektion.

Harte Worte

Die erste These hat er uns im Kapitel davor schon erzÀhlt: Gutes Schreiben besteht darin, die Grundlagen zu beherrschen (Wortschatz, Satzbau, Stilelemente) und sie richtig anzuwenden. Seine Worte:

… filling the third level of your toolbox with the right instruments.

Hat er vorher wirklich ĂŒber das dritte Level der Toolbox gesprochen? Nein, nicht wirklich, also schaut mich jetzt nicht fragend an.

Gute, großartige, fĂ€hige und schlechte Autoren

Die zweite These ist etwas unkonventioneller: WĂ€hrend es  unmöglich ist, aus einem schlechten Autoren einen fĂ€higen/tĂŒchtigen zu machen, oder aus einem guten Autoren einen großartigen, ist es sehr wohl möglich, mit viel harter Arbeit und UnterstĂŒtzung aus einem bloß einigermaßen fĂ€higen Autoren einem großartigen zu machen. What?

Ich kann das nur verstehen, wenn ich es auf das Schauspiel ĂŒbertrage. Ich sehe seit zehn Jahren Schauspieler am Set spielen, ich bekomme regelmĂ€ĂŸig Videomaterial zugesandt oder angehende Schauspieler spielen mir vor. Ich war immer davon ĂŒberzeugt, dass man Schauspiel – natĂŒrlich – lernen kann und alles möglich ist. Ich habe diese Überzeugung verloren und ich wĂŒrde King, hĂ€tte er das Obige ĂŒber das Schauspiel gesagt, sofort zugestimmen. Vielleicht, weil ich betriebsblind bin, was das Schreiben angeht. Beim Schauspiel ist es fĂŒr mich ganz eindeutig. MittelmĂ€ĂŸige Schauspieler werden keine großen Schauspieler, grottige Schauspieler keine mittelmĂ€ĂŸigen. Aber – wenn jemand das Besondere “ginga” hat, dann kann er mit viel Leidenschaft und einem guten Training praktisch von der Grundlinie aus ganz groß werden.

Underdogs

King ist ein Freund der Underdogs, die es nach oben schaffen. Nun, er ist selber einer. Und wie die meisten Underdogs ist er ein großer Verfechter von harter Arbeit. Ich bin kein Underdog, nie gewesen, eher das Gegenteil, aber ich weiß, wovon  er spricht, und ich weiß, dass man die Grundlagen lernen muss. Ins Basement gehen. Harte Arbeit. Und wenn man sich dort eingerichtet hat, dann kommt vielleicht die Museoder der Muser (bei King ist es ein Mann – sorry for that) und fĂŒgt Magie hinzu.

Sind wir schon wieder bei der Magie? Gibt es denn gar nichts Handfestes? Vielleicht nach der Mitte des Buches. Mal sehen.

 

Stephen King - On Writing

Stephen King – On Writing #3 Baustelle

14. September 2013
Baustelle Schreiben

Es ist nicht so, dass ich die nĂ€chsten BlogbeitrĂ€ge vorhabe, einen Vortrag ĂŒber “On Writing” zu halten. Es ist nur so, dass ich alles, was mich gerade beschĂ€ftigt, mit diesem Buch in Zusammenhang bringen kann, woran ich merke, dass es ein sehr gutes Buch ist. Sogar die Baustelle vor meinem Haus ;)

Stephen King ist ja ein alter Hase und ein Schlitzohr, er ist nicht zufĂ€lllig so erfolgreich. Wie ist das eigentlich mit dem VerhĂ€ltnis von Werk zu Autor*in oder von dem Buch, das man gerade schreibt, zum eigenen Schreiben. King zitiert in “On Writing” seinen ersten (echten) Agenten mit den Worten von Alfred Bester: “Das Buch ist der Boss”.

Das Buch ist der Boss

Ja, klar, wir Autoren wissen das. NatĂŒrlich. Und auch fĂŒr Stephen King war das so. “On Writing” war der Boss. Es war nicht nur ein Schreibprojekt, es war sein eigener Thriller, sein Horror. Warum? Weil es eine Baustelle unvorstellbaren Ausmaßes war.

Kurzer Exkurs: Wir haben eine Baustelle vor der TĂŒr. Ich weiß, ihr denkt jetzt, das kennt ihr. Ich will auch gar nicht angeben – oder doch! Heute Nacht zum Beispiel wurde durchgearbeitet. (Damit der Nahverkehr möglichst wenig unter den Bauarbeiten leidet.) Das liegt daran, dass wir an einer der Hauptachsen der Stadt wohnen.

Ich mag das. Egal, zu welchem öffentlichen GebĂ€ude ich in Potsdam muss, es liegt praktisch an unsere Straße. Der Steuerberater gleich gegenĂŒber, auch die Meldestelle, das Straßenverkehrsamt, alle Lieblingskaffees, die BĂŒcherei, der Bahnhof (die Straße ist lang). Das ist wie wenn man an einem Schreibtisch sitzt und alle Stifte und Blöcke oder eher SchreibgerĂ€te und Gadgets parat hat. Keine unnötige Sucherei oder Wege. Ich finde auch die Baustelle gut. Nicht nur, weil in den letzten Jahren immer mal wieder ein reißender Fluss aus ihr wurde, wenn ein Wasserrohr gebrochen war, sondern weil ich UmbrĂŒche und VerĂ€nderungen mag.

UmbrĂŒche

FotoIch meine: mögen heißt nicht lieben. Es heißt, ich bin froh, wenn sie kommen, denn freiwillig wĂŒrde ich mich nicht in eine Umbruchssituation begeben. Ich erinnere mich, wie die Autorin Hera Lind auf dem Höhepunkt ihres Erfolges in einem Interview gefragt wurde, was sie gerne an ihrem Leben verĂ€ndern möchte und sie sagte: “Nichts.”

Kurz darauf zerbrach ihre Beziehung, die Presse stĂŒrzte sich auf sie, sie ging bankrott u.s.w. Weil nichts bleibt wie es ist. Wenn ich ein Buch schreibe oder eine Geschichte und alles bleibt darin so wie es ist, dann kann ich mir selber einen Stern in mein Schulheft malen, denn mehr wird es von den Lesern auch nicht geben.

Ich finde nicht gut, dass die Stadtverwaltung hier sĂ€mtliche BĂ€ume in der Straße gefĂ€llt hat, aber es wĂ€re dumm zu denken, eine VerĂ€nderung wĂ€re ohne Opfer möglich. Bis jetzt finde ich, sind wir ganz gut weggekommen, denn heute Nachmittag hatte ich das GefĂŒhl, das Haus stĂŒrzt ein, als sie vor unserer HaustĂŒr die Straße aufgebrochen haben.

Okay, sorry, das war ein lĂ€ngerer Exkurs. Ich wollte euch auch nur den Zustand “Baustelle” möglichst plastisch vor Augen fĂŒhren, denn wenn man ein Buch beginnt, dann ist es das: Man nimmt sich eine Baustelle vor. Baustelle Schreiben. In der Regel wackelt dann nicht das Haus. Bei Stephen King war es sogar ein wenig mehr …