Stephen King – On Writing #3 Baustelle

Baustelle Schreiben

Es ist nicht so, dass ich die nächsten Blogbeiträge vorhabe, einen Vortrag über “On Writing” zu halten. Es ist nur so, dass ich alles, was mich gerade beschäftigt, mit diesem Buch in Zusammenhang bringen kann, woran ich merke, dass es ein sehr gutes Buch ist. Sogar die Baustelle vor meinem Haus ;)

Stephen King ist ja ein alter Hase und ein Schlitzohr, er ist nicht zufälllig so erfolgreich. Wie ist das eigentlich mit dem Verhältnis von Werk zu Autor*in oder von dem Buch, das man gerade schreibt, zum eigenen Schreiben. King zitiert in “On Writing” seinen ersten (echten) Agenten mit den Worten von Alfred Bester: “Das Buch ist der Boss”.

Das Buch ist der Boss

Ja, klar, wir Autoren wissen das. Natürlich. Und auch für Stephen King war das so. “On Writing” war der Boss. Es war nicht nur ein Schreibprojekt, es war sein eigener Thriller, sein Horror. Warum? Weil es eine Baustelle unvorstellbaren Ausmaßes war.

Kurzer Exkurs: Wir haben eine Baustelle vor der Tür. Ich weiß, ihr denkt jetzt, das kennt ihr. Ich will auch gar nicht angeben – oder doch! Heute Nacht zum Beispiel wurde durchgearbeitet. (Damit der Nahverkehr möglichst wenig unter den Bauarbeiten leidet.) Das liegt daran, dass wir an einer der Hauptachsen der Stadt wohnen.

Ich mag das. Egal, zu welchem öffentlichen Gebäude ich in Potsdam muss, es liegt praktisch an unsere Straße. Der Steuerberater gleich gegenüber, auch die Meldestelle, das Straßenverkehrsamt, alle Lieblingskaffees, die Bücherei, der Bahnhof (die Straße ist lang). Das ist wie wenn man an einem Schreibtisch sitzt und alle Stifte und Blöcke oder eher Schreibgeräte und Gadgets parat hat. Keine unnötige Sucherei oder Wege. Ich finde auch die Baustelle gut. Nicht nur, weil in den letzten Jahren immer mal wieder ein reißender Fluss aus ihr wurde, wenn ein Wasserrohr gebrochen war, sondern weil ich Umbrüche und Veränderungen mag.

Umbrüche

FotoIch meine: mögen heißt nicht lieben. Es heißt, ich bin froh, wenn sie kommen, denn freiwillig würde ich mich nicht in eine Umbruchssituation begeben. Ich erinnere mich, wie die Autorin Hera Lind auf dem Höhepunkt ihres Erfolges in einem Interview gefragt wurde, was sie gerne an ihrem Leben verändern möchte und sie sagte: “Nichts.”

Kurz darauf zerbrach ihre Beziehung, die Presse stürzte sich auf sie, sie ging bankrott u.s.w. Weil nichts bleibt wie es ist. Wenn ich ein Buch schreibe oder eine Geschichte und alles bleibt darin so wie es ist, dann kann ich mir selber einen Stern in mein Schulheft malen, denn mehr wird es von den Lesern auch nicht geben.

Ich finde nicht gut, dass die Stadtverwaltung hier sämtliche Bäume in der Straße gefällt hat, aber es wäre dumm zu denken, eine Veränderung wäre ohne Opfer möglich. Bis jetzt finde ich, sind wir ganz gut weggekommen, denn heute Nachmittag hatte ich das Gefühl, das Haus stürzt ein, als sie vor unserer Haustür die Straße aufgebrochen haben.

Okay, sorry, das war ein längerer Exkurs. Ich wollte euch auch nur den Zustand “Baustelle” möglichst plastisch vor Augen führen, denn wenn man ein Buch beginnt, dann ist es das: Man nimmt sich eine Baustelle vor. Baustelle Schreiben. In der Regel wackelt dann nicht das Haus. Bei Stephen King war es sogar ein wenig mehr …

3 Comments

  • Reply
    Uwe
    14. September 2013 at 4:22

    Lets drink to the hard working people
    Lets drink to the salt of the earth

  • Reply
    Katja
    17. September 2013 at 7:23

    Ha ich weiss wo du wohnst, also bei der Baustelle, mit dem grünem Baum, gleich rechts davon oben :-)
    Mach den Cappu feddisch, bin in Schwinggeschwindigkeit da ;-)

    Baustellen, da mach ich mir nie nen Kopf ausser ich komm zu spät *grummel* Ich erwische wirklich jede Baustelle, ob es nun die Straßenarbeiter oder das wahre Leben sind.
    Aber was wäre ich nur geworden wenn ich nicht genau diese Baustellen bezwungen hätte……
    Mal schauen ob ich die Baustelle eigenes Buch noch bewältigen kann :-)

    Greets Kay

    • Reply
      Katrin
      17. September 2013 at 11:38

      Wenn die den Baum noch stehen lassen … Schwinggeschwindigekit gefällt mir – guter Start für ein Buch und die Baustellen – real oder gefühlt – passen da auch rein. Dann mal los *****

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