33 Frauen #2 Rosemarie Trockel


Rosemarie Trockel

Rosemarie Trockel 2010 © Curtis Andrerson

Die zweite Frau, die mich als Frau/Mutter/und Künstlerin (mehr über mein Projekt), enorm beeinflusst hat, ist Rosemarie Trockel – eine Künstlerin.

Die erste Arbeit, die ich von ihr in den 80er Jahren gesehen habe, war nicht etwa eine ihrer Strickarbeiten, für die sie sehr bekannt ist, sondern ein Wandobjekt. Kochplatten – schwarz – eingebettet in eine emaillierte Holzplatte, an die Wand gehängt. Wow.

Da war sie. Kunst von einer Frau, die ganz offen und ohne Männern nachzueifern, ein Frauenthema zum Thema ihrer Arbeiten machte. Keine Hausfrau, eine Künstlerin. Erfolgreich. Und trotzdem mit Blick auf den Ort, wo man die Frau traditionell immer noch sieht. Am Herd. Da hat sich bis heute viel geändert, aber immer noch nicht genug, wie  die sich in der Corona-Krise gezeigt hat.

Die Kochplatten-Arbeiten hat Trockel in Variationen bis in die Neunziger wiederholt. Mal waren es weiße Skulpturen (auch mit Platten an den Seiten), mal Wandobjekte. Keine einzelne Arbeit, sondern ein wiederholtes Statement.

Rosemarie Trockel Ohne Titel 1991

So könnte Kunst aussehen, die mich interessiert, dachte ich damals, weil sie das Thema Frausein direkt adressierte. Ich kannte bis zu diesem Zeitpunkt nur Kunst von Frauen, die versuchten, Männern nachzueifern oder sich stark biografisch an ihrem Selbstbild abarbeiteten. Als Frau, als Mutter.

Gute Kunst von Frauen wurde gerne mit dem Zusatz: Könnte auch von einem Mann sein – geadelt. Kochplatten an der Wand – konnten nicht von einem Mann sein und das gefiel mir. Genau das wollte ich machen. Nicht nur mich als Frau in den Fokus meiner Arbeit stellen, sondern das Frausein in der Gesellschaft reflektierend künstlerisch bearbeiten.

Und da hingen sie nun, zwei Kochplatten, minimalistisch, schwarz-weiß, reduziert, eine schlichte moderne Skulptur, eine Provokation. Yay!

Strickbilder

Als Kind habe ich leidenschaftlich gebastelt und jeden erreichbaren Bastelkurs besucht. Die 70er waren sowieso eine Bastel-Aera: Stricken, häkeln, weben, flechten, Emaillearbeiten, FIMO zu Aschenbechern kneten, Töpfern, Glasbilder aus Perlen, die man im Ofen (toxisch, wie mir gerade klar wird) zusammenschmolz. Die Do-it-yourself-Bewegung in ihren Anfängen. Hobby-Kunst?

© VG Bild-Kunst, Bonn 2014; Foto © ZKM | Zentrum für Kunst und Medien, Foto: ONUK

Rosemarie Trockel gestrickte Bilder 2005 auf der Art Cologne

Die in diesen Hobbykursen verwendeten Materialien waren nichts für “echte” Künstler*innen. Really? Ich sah das anders. Bloß, weil mit diesen Materialien hauptsächlich in Hobbykursen gearbeitet wurde, waren sie für mich nicht wertlos. Im Gegenteil. Und nun kam Rosemarie und zeigte mir: Yes, ich bin bei dir. Wir stellen diese ganze selbstgefällige Männerkunst auf den Kopf. Offen feministisch. In der Kunstwelt der 80er Jahre. Feministisch an einer Stelle, an der Weiblichkeit definitiv noch nicht angekommen war und vielleicht auch noch nicht angekommen ist.

Rosemarie Trockel Umtitelt 1985/88

Rosemarie Trockel verwendet Wolle und Stricktechniken und baut Haushaltsgegenstände in ihre Installationen ein. Sie hat an der Strickmaschine hergestellte Wandbilder mit provokanten Strickmustern wie dem Playboy-Bunny ausgestellt. Da ging es nicht nur um den Widerspruch von großem künstlerischen Wandbild und harmlosen Material. Sondern auch um den inhaltlichen Widerspruch von bravem Stricken – zu provokantem Inhalt. Trockel Strickbilder – das ist Politik und Gesellschaftskritik, gebrochen/gesteigert durch den Gebrauch von scheinbar harmlosen Materialien und Techniken.

Frauenbewegung – die zweite Welle

Die Frauenbewegung der 60er und 70er Jahre wird auch die zweite Welle der Frauenbewegung genannt.

Der Auslöser der zweiten Welle der Frauenbewegung war ein allgemeiner gesellschaftlicher Umbruch und Wertewandel nach dem Golden Age of Marriage der 1950er und 1960er Jahre. (Wiki)

Diese Frauenbewegung hat meine Mutter, Tanten und deren Freundinnen beeinflusst und war zum Teil sehr kämpferisch. Es ging um mehr Rechte für Frauen, das Recht auf den eigenen Körper und Abtreibung, aber auch um die eigenen Erfahrungen mit Missbrauch oder/und Vergewaltigung.
Die besonderen Merkmale dieser Frauenbewegung waren, dass sie sich stark an den Protestformen anderer sozialen Bewegungen abarbeitete: Demonstrationen, bürgerlicher Ungehorsam, Kampfansagen, Verweigerung, Bildung von eigenen Organen (wie Frauenhäusern). Historisch wichtig, allerdings waren diese Protestformen weiterhin stark an männlichen orientiert. Die Frau muss um ihre Rechte kämpfen, muss Widerstand leisten, muss laut werden, um gehört zu werden.

Rosemarie Trockel Ohne Titel 1988

Dass dies sehr männlichen Formen des Protests oder der Meinungsäußerung waren, fällt mir zumindest im Rückblick überdeutlich auf. Schon als Kind befand ich mich in dem Konflikt, Kleider und hohe Schuhe großartig zu finden, die Inhalte der Frauenbewegung aber ebenso einsichtig und richtig. Ich sah nicht ein, warum die frauenbewegte emanzipierte Frau der 70er unbedingt Jeans und flache Schuhe tragen musste, um ernstgenommen zu werden.

Für die meisten Frauen meiner Kindheit und in meinem Umfeld waren hohe Schuhe und Emanzipation Gegensätze, die Barbiepuppe ein Feindbild. Zu der komme ich später noch, doch diesen Widerspruch fand ich ungerecht. Wir Frauen müssen uns wie Männer benehmen, um als Frauen ernstgenommen zu werden? Was ist mit unseren Qualitäten, Bedürfnissen? Ich liebt es fünfjährig in den Pumps meiner Mutter herumzuspazieren (Meine Brüder übrigens auch). Das war Power. Und ganz sicher wollte ich zu diesem Zeitpunkt keinen Mann damit beeindrucken.

Karriere ohne Festlegung

Rosemarie Trockel hat mich auch deshalb so stark inspiriert, weil man sie nach den Herdplatten-Arbeiten und Strickbilder einfach in die Schublade einer feministischen Künstlerin hätte stecken können, wenn sie so weitergemacht hätte. Aber – nope. Ihre ersten Einzelausstellungen in Köln und Bonn hatte sie Anfang der 80er Jahre. Eine Ausstellung, die sie schnell in den internationalen Kunstbetrieb aufsteigen ließ, in dem sie bis heute eine maßgebliche Rolle spielt.

Ich erinnere mich an diese Einzelausstellung, die ich besucht habe, und hier besonders an eine Arbeit auf Papier. Trockel hat einen Wattebausch auf einen Fotokopierer gelegt (Fotokopierer waren in den 80ern modernste Technik) und auf Papier kopiert. Ich war hingerissen und empört zugleich, eine Reaktion, die für mich immer sehr inspirierend ist. Zu einfach? Frech? Banal? Überbewertet? Ich habe mich für frech oder vielleicht besser: unverschämt entschieden.

Rosemarie Trockel Werk und Kunst verweigert sich der Einordnung. Damit geht sie einen Schritt weiter, ist nicht “nur” weiblich-feministische Künstlerin, sondern vor allem MENSCH. Ich bin ich – geht niemanden so leicht über die Lippen. Dieses Statement kommt allzu leicht arrogant oder selbstgefällig rüber. So sehen viele Feministinnen die Männer und auf keinen Fall sich selbst. Doch das Ichbinich ist wichtig. Nicht das aufgeblasene selbstherrliche Ichbinich, sondern das Erkennen der eigenen Kraft und Fähigkeit, Kreativität und Genialität.

Kunst und Kunstgeschichte

Wer sich mit Kunst beschäftigt, Kunst macht, kommt um Kunstgeschichte nicht herum. Vor allem dann, wenn man sich fragt, warum so viel mehr Männer den Kunstmarkt beherrschen. In den 80/90er Jahren habe ich Kunstgeschichte studiert und mich in einer Zeit vor Internet hauptsächlich in der Bibliothek aufgehalten. Biografien von Künstlerinnen waren selten, meist musste man Künstlerinnenschicksale zwischen den Zeilen lesen. Als Anhängsel von Männerbiografien, Muse oder Model. Und natürlich fand man Frauen haufenweise auf Bildern. Aber … nun.

Rosemarie Trockel – a lady at her toilet – Installation von 1991

Die Installation von Rosemarie Trockel von 1991 “a lady at her toilet” ist eine Auseinandersetzung mit einer Zeit der Kunst, in der man Frauen aus dem Kunstbetrieb verwiesen hat, sie aber gerne malerisch “ausbeutete.”

1 Zeltboden, 4 Metallleisten, 2 Metallstangen, 1 Klapphocker aus Holz mit Stoffbespannung, Diaprojektor, 80 Dias, 7 gerahmte Reproduktionen alter Graphiken

Die Frau in der Kunst

Gibt man den Titel der Installation – a lady at her toilet – in die Internetsuche ein, stösst man auf viele, vor allem barocke Gemälde nackter oder wenig bekleideter Frauen von männlichen Malern. Oh ja, das war eine Form der Pornografie, ein Ausstellen von weiblicher Nacktheit zur Freunde der Kunstkäufer. Und wenn der Künstler-Mann es zu Berühmtheit gebracht hat, dann hängen die Bilder heute in einem Museum. Frauen, die sich schön machen, sich herausputzen für die Nacht oder den Tag, für … den Mann. Hier und so finden Frauen ihren Platz auf Gemälden. Nett, oder? Nichts dabei, oder? Wenn man sich in das Zelt von Trockel setzt, kann man diese Bilder betrachten:

“Die Abbildungen unterscheiden sich hinsichtlich der Malweise, der gewählten Ausschnitte und der Entstehungszeit – jedoch zeigen sie immer ähnliche Motive: Leicht bekleidete oder nackte Frauen im Badezimmer, die sich an- oder ausziehen, sich waschen oder baden, ihr Haar kämmen oder sich im Spiegel betrachten. Die Frauen werden allein oder mit einer Dienerin gezeigt. Manchmal ist auch ein Mann in der Rolle eines Voyeurs oder Freiers im Hintergrund erkennbar. Treten die BesucherInnen in den Zeltinnenraum, nehmen sie bei der Betrachtung des Werkes eine ähnliche voyeuristische Perspektive ein.” (ZMK Karlsruhe)

Kunstbetrieb

Rosemarie Trockel verteilt Schläge in alle Richtungen. Provokant, aber niemals verkniffen. Irgendwie ist immer Humor dabei, manchmal sehr trocken und schwarz.

Rosemarie Trockel – Balaklava 1986

Der Kunstbetrieb ist an manchen Stellen eigen und filzig wie viele elitäre Kreise. Das habe ich auch in den 80ern gelernt, als ich ein Praktikum bei meinem Onkel in Köln machte. Willi Bongard (der jünger Bruder meines Vaters), hatte sich zur Aufgabe gemacht, Künstler in ein wirtschaftliches Bewertungssystem zu stecken und es Kunstkompass getauft.

Den Kunstkompass hat er in den 70er Jahren erfunden und anfänglich als kleines Aboblatt betrieben. Das waren sehr gut recherchierte Informationen über Ausstellungen und Auftritte, an denen Künster*innen teilnahmen, sowie eine Nachverfolgung, welche Presse und Preise sie bekamen. Kunstsammler konnten ihre Kunstkäufe mit dieser Hilfe besser einschätzen.

Der Kunstkompass erschien jährlich in verschiedenen Wirtschaftszeitungen und hauptsächlich in der Capital. Nachdem mein Onkel 1985, kurz nach meinem Praktikum, tödlich mit seinem Wagen verunglückte, übernahm seine Lebensgefährtin Linde Rohr-Bongard, eine Journalistin und Künstlerin, den Kunstkompass.

Kunst und Kommerz

Von 2013 bis 2017 wurde das Ranking im Kunstkompass unverändert von Gerhard Richter, Bruce Nauman und Rosemarie Trockel angeführt. Ich bin nicht unbedingt begeistert von der Vorstellung, Künstler wie Sportler in ein Bewertungssystem zu zwängen. Ich hätte – ganz ehrlich – auch nicht gedacht, dass Trockel sich so gut in diesem System schlagen würde, 1986 tauchte sie jedenfalls noch nicht unter den ersten 100 Künstlern des Kunstkompass auf.

Kunst ist Kommerz (so hieß auch ein Buch, das mein Onkel 1967 veröffentlichte). Bei meinem Praktikum hat er mir zudem Einblicke in das Verflechtung von Künstler*innen, Galerist*innen und Kunstmarkt gegeben. Er erzählte mir zum Beispiel, dass Julian Schnabel bei ihm (und überall sonst, wo man sich zu der Zeit bekannt machen konnte) gesessen hätte und gesagt hätte, er würde mal ganz groß. Nun, da hat er wohl recht gehabt. Könnte man sich an dieser Stelle eine Frau vorstellen? Wohl eher nicht.

Das Männer ihre Künstlerkarriere aggressiv und machohaft betreiben, unterstrich mein Onkel und schockte mich zudem mit Geschichten, wer sich im Kunstbetrieb alles hochgeschlafen hatte. Ich war eine Künstlerin in den Anfängen und fragte mich, besonders, nachdem er verunglückte, ob das eine sehr negative oder eher eine realistische Sicht auf den Kunstbetrieb sei. Damals war seine Sicht für mich hauptsächlich verstörend. Ebenso wie sein mysteriöser Tod. Auf freier Strecke von der Straße abgekommen und an einen Baum gefahren – aber das ist eine andere Geschichte.

Documenta

Wie sehe ich den Kunstbetrieb? Warum tue ich mich so schwer mit den Mechanismen der Macht in diesem Bereich? Auch bei dieser Frage half mir Trockel viele Jahre später mit einem Kunstwerk. Als mittlerweile sehr erfolgreiche Frau im Kunstbetrieb, nahm sie 1997 an der Documenta X teil.

 

Zusammen mit dem Künstler Carsten Höller war ihr Beitrag zur Documenta das “Haus für Schweine und Menschen” im Teepavillon.

“Der Teil für die Menschen war ausgesprochen karg gehalten, noch dazu fensterlos und entsprechend düster. Innen lagen auf einer zur Rückwand hin ansteigenden Schräge Matten für die Besucher. Dort ausgestreckt schaute man auf eine große Glasfront und durch sie hindurch in den Hausteil, den die Schweine bewohnten. Die trennende Glasscheibe war einseitig verspiegelt, so wie man das von Scheiben kennt, die Polizisten bei Gegenüberstellungen verwenden: Die Menschen konnten die Schweine sehen, die Schweine jedoch die Menschen nicht.

Nichts anderes als das sah man auch: Schweine, die sich allein und unbeobachtet wohl fühlten. Säue und Ferkel, die fraßen, schliefen, spielten, vom überdachten Stallteil in einen kleinen Garten und wieder zurück liefen, die zu geregelten Zeiten gefüttert und gepflegt wurden. Die Zuschauer wurden Zeugen eines weitgehend harmonischen, wenig spektakulären, dafür fröhlichen Schweinelebens. Kurz: Glücklichere Schweine als diese berühmt gewordenen Kunstschweine sieht man in Deutschland wohl selten.” (Dieter Schwerdtle in der Zeit)

Tiere spielen immer wieder eine Rolle in Trockel Werk. 1993 veröffentlichte sie ein Buch mit dem Titel: „Jedes Tier ist eine Künstlerin“. Eine ironische Anspielung auf die Aussage von Josef Beuys: „Jeder Mensch ist ein Künstler“. Dass Beuys Tiere und Frauen  – unachtsam – ausschloss, machte sie sichtbar.

Dritte Welle des Feminismus

Das “Haus für Schweine und Menschen” hat viele Ebenen, wurde von den Künstlern auf einer Homepage später ausführlich erläutert und hat trotzdem enorme Kritik von Besuchern erfahren. Kein Wunder. Ist das Kunst?, fragen sich Menschen, die die Kunst sehr wohl akzeptieren können, wenn sie sich so benimmt wie Kunst sich benehmen soll: Verortbar. Ästhetisch. Verständlich.

Rosemarie Trockel, Cluster III – Death, so adjustable, 2015

Wir Frauen kennen das Problem, oder? Wir dürfen überall mitmachen, wenn wir uns an die Spielregeln halten. Also? Vielleicht der Grund, warum so viele Frauen heute glauben, wir brauchen den Feminismus nicht mehr.

Wir befinden uns mittlerweile historisch in der dritten Welle des Feminismus. Das Internet spielt dabei eine maßgebliche Rolle. Für die globale Vernetzung und den Austausch von Inhalten und Erfahrungen. Die Fragen bleiben dieselben: Wer bin ich? Wie vertrete ich meine Ansichten, meine Rechte, meine Wünsche und meine Freiheit. 

Männerwelten

Muss ich wie ein Mann handeln, denken, arbeiten, um in einer von Männern dominierter Welt ernst genommen zur werden?  Männerwelten

Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf haben in ihrer Show “Joko & Klaas gegen ProSieben” ihren Sender  geschlagen und 15 Minuten Live-Sendezeit gewonnen. Auf den Wunsch der beiden Entertainer führte die Autorin und Journalistin Sophie Passmann durch die fingierte Kunstausstellung “Männerwelten”. Thematisiert wurden sexuelle Übergriffe gegen Frauen und Sexismus, den Frauen in ihrem Alltag erleben. (Wer sind Joko und Klaas?)

Rosemarie Trockel: Ohne Titel (Frau ohne Unterleib), 1988

Aha, zwei Männer äußern sich zu Sexismus. Ach, nein, das lassen sie Sophie Passmann machen, die einen langen Rock und flache Schuhe trägt und sich benimmt, als wäre sie eine Ausstellungsführerin. Wie schlau, dass sie keine hohen Schuhe trägt und keinen tiefen Ausschnitt hat.

Wie schlau von Joko und Klaas, dass sie nur Frauen in diesem Special auftreten lassen, denn wer bügelt die Fehler der Männer besser aus als Frauen? Genau. Wie interessant. Joko und Klaas reden in diesen 15 Minuten auch nicht darüber, dass sie in einer Gameshow einer Hostess an den Hintern gefasst haben, sie zeigen auf alle Männer und irgendwie vielleicht auch auf sich selbst.

Es fällt mir schwer davon abzusehen, dass sich hier ganz nebenbei über Kunst und den Ausstellungsbetrieb lustig gemacht wurde, als gäbe es keine Künstler*innen, die sich ernsthaft mit dem Thema Feminismus auseinandersetzen. Als wäre Kunst nur ein Joke.

Heute

Letzte Woche war ich im Hamburger Bahnhof bei einer Einzelausstellung von Katharina Grosse. Eine riesige bunte Farbskulptur, die sich klar im Jetzt verortet. 3D Architektur, 3D Printing. Viel Farbe auf Flächen, auch auf dem Boden, auch im Aussenbereich, der vorher speziell behandelt wurde. Jetzt sind alle Flächen abwaschbar (so werden Gebäude vor  Graffitis geschützt). Aha. Sprayen muss also gar nicht aggressiv sein, alles ist abwaschbar. Da freut man sich? Irgendwie nicht, denn was ist Kunst dann überhaupt? Abwaschbar? Davon abgesehen: No risk – no fun.

Katarina Grosse. “It Wasn’t Us” 2020 Hamburger Bahnhof Berlin

Okay. Groß, laut, ein Spektakel. Nicht meins, aber so ist das eben manchmal mit Kunst. Ich denke nicht: Immerhin von einer Frau. Oder: Cool – von einer Frau. Ich denke: Gefällt es mir? Spricht es mich an? Wie viele Ebenen meiner Existenz, der Gesellschaft und Welt werden durch dieses Kunstwerk in Schwingung gebracht? Passen Form und Inhalt/Botschaft? Verstärkern sie sich? Rechtfertigt die “Botschaft”, das Erlebnis den Aufwand? Den Einsatz von Material und Farbe? Und Manpower

Ich mag bunt. Die Bemalung im Aussenbereich hält leider dem Vergleich mit jeder talentierten, innovativen Sprayer*in nicht stand.

Rundgang

Anschließend gehe ich durch die ständige Ausstellung des Hamburger Bahnhofs. Ein Rundgang. Und da liegen sie. Unspektakulär auf dem Betonboden. Die Gewohnheitstiere von Rosemarie Trockel.

Rosemarie Trockel – Gewohnheitstiere 1996

Beschissen ausgeleuchtet. Sorry. Aber eine Arbeit, die mich sofort wieder und sehr viel mehr berührt, als das Farbspektakel in der Haupthalle. Ich bin wohl immer noch ein Trockel-Fan. Aber nicht, weil ich am Alten festhalte, ein Gewohnheitstier bin, sondern ganz im Gegenteil. Ich mag, wenn Dinge und Ansichten auf den Kopf gestellt werden. Dafür ist Kunst da. Und weil ihre liegenden Tiere immer noch aktuell sind. Uneindeutig. Tod oder lebendig? Haustiere oder wild? Getötet oder gestorben?

Wenn ich an Rosemarie Trockel denke, dann denke ich immer wieder gerne #unverschämt .

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