New York 2019 – Carlton Arms Hotel



Carlton Arms Hotel

Der Beginn meiner Liebe zu diesem Hotel reicht weit zurück in die 90er. Oder vielleicht sogar noch vorher, als ich einen kleinen Artikel in einer Zeitung über das Hotel fand und ihn mir aufgehoben habe. Das ist das Hotel in New York, in dem ich übernachten werde, wenn ich mal zu Besuch bin. Und mittlerweile war ich schon oft zu Besuch und fast jedes Mal habe ich im Carlton Arms Hotel übernachtet.

Was mich bei meinem ersten Besuch sofort fasziniert hat: So etwas gibt es in ganz Deutschland, in Europa nicht! Klar, man könnte sich ein Künstlerhotel vorstellen, aber nicht die Mischung aus heruntergekommen und funktionierend, aus verlottert und liebenswert, aus ungewöhnlich und gut organisiert.

CARLTON ARMS ART PROJECT

Described as a ‘live-in museum’ by People Magazine, the Carlton Arms Hotel (Artbreak Hotel) through its Carlton Arms Art Project, has become a vibrant permanent exhibition of art, with every room and every inch of space covered with the incredible colorful work of artists from all over the world.

This art-in-residence program started in the early 80’s when The Carlton Arms Hotel was a depressing and dark welfare hotel. As rooms were vacated, they were no longer re-rented, but instead were scrubbed, repaired and given to artists to express their ideas. (Website Carlton Arms Hotel)

Willkommen zu einer kleinen Führung durch das Hotel.

Wohnen

Da es ein Wohnhaus ist, betritt man das Hotel nicht durch eine ebenerdige Lobby, sondern steigt sofort eine Treppe hoch. Vorbei an dem Glückbuddha mit dem Schoß voller Eincentstücke, der immer gefüllt ist, bis in die eigentliche Lobby, die eher aussieht wie der Eingang zu einem kleinen Kabarett-Theater. Ein oder zwei (der drei) Katzen liegen immer irgendwo herum und sind eindeutig die Herrscherinnen der vier Etagen.

“The building is alive, ever changing, but what really continues to give it life are the people who imprint themselves, their art and their spirit upon this place.” (John Ogren, manager)

Nicht alles, was das Hotel bunt und heimelig macht, würde in meinem Verständnis unter Kunst fallen, vielleicht würde ich es eher Deko oder Design nennen und manchmal ist es noch nicht mal das, aber darum geht es nicht. Das Haus – lebt.

Hotelzimmer

4 Etagen mit Zimmern – alle anders. Und auch nicht für immer so, denn es kommen ständig Künstler, die Räume neu gestalten. Leben und Kunst – eine kuschelige Einheit. Diesmal haben wir das Regenbogenzimmer erwischt. Und nachdem es letztes mal ein weißer Raum mit schwarzem Klebeband war – juhu!

Man hat meist eingeschränkt die Auswahl, kann sich mehrere Räume ansehen und entscheiden. Mit oder ohne Bad, wobei mein Tipp ist, lieber ein schönes Zimmer mit shared bathroom als unbedingt ein Zimmer mit Bad zu buchen. Die können nämlich auch sehr extrem sein.

Roomservice?

Vor ein paar Tagen hatte ich ein kleines Gespräch mit einer New Yorkerin über Mietpreise. Okay, da könnte man auf die Idee kommen, lieber im Hotel zu wohnen zu wollen, als sich eine Wohnung zu nehmen. Doch dieses Privileg ist im Carlton Arms Hotel nur Wenigen vorbehalten.

In unserem Raum hat der Dichter Mike Tyler von  1994 -2003 gewohnt. Mike, du hast dem Raum deinen poetischen Stempel aufgedrückt. Nachts erscheint dein Geist und flüstert: Alles ist gut, wenn du nur schreibst. 

Wer hier Roomservice erwartet – nope. Wer frische Handtücher braucht holt sie sich bei der Rezeption, das Zmmer wird von niemanden während des Aufenthalts betreten und  – das liebe ich. Als ob es ein eigenes Zimmer in einer WG wäre. Niemand, der das Schlaf-T-Shirt zusammenlegt und deine kreaitv verteilten Unterlagen auf einen Stapel legt, um (welchen) Staub zu beseitigen. Aber wer das braucht, sei gewarnt. Service – basic.

Breakfast

Kein Frühstück, Kaffee im Aufenthaltsraum, ein bisschen Jugendherbergsatmosphäre. Der Gast-Computer, wie in  den 90ern, als niemand ein Laptop hatte und von Smartphones noch nicht die Rede war. Zum Früstücken geht man aber einfach über die Straße zum Bagel-Express, oder dem neuen Dogs and Bones an der Ecke. Es lebt sich also auch ein wenig wie im Atelier, ohne Küche, umgeben von der Kunst von Künstlern, die gerade Teile/Räume das Hotel neu gestalten. Regelmäßig werden Räume wie Ausstellungen eröffnet. Neuste Neuerung: Das Treppenhaus zum vierten Stock mit einem Neon Graffiti von Drew Starker. (Instagram @muralist)

Jedes Stockwerk hat einen eigenen Stil, also die Fluren und das Treppenhaus verbindet alles. Oder auch nicht. Denn hier passt alles und nichts zusammen und deshalb ist dieses Hotel für mich auch wie ein Teil von New York: Bunt, crazy, kreativ.

Ich steige bis nach ganz oben, um mir das ganze Kunstwerk anzusehen. Als ich zurückomme, kratzt die Katze an unerer Zimmertür. Das macht sie auch gerne in der Nacht und ich war froh, dass ich schon wusste – es ist die Katze. Oder nicht?

 

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