Marseille 2013 – Bei Nacht

Marseille bei Nacht

Nun bin ich ja eigentlich schon eine Weile aus Frankreich zurück, aber da gerade die Leserunde zu “Street Art Love” auf Lovelybooks läuft, passt es einfach zu gut. In Marseille habe ich nämlich etwas gefunden, was aus den meisten europäischen Großstädten schon fast verschwunden ist: Einen Stadtteil wie das Panier, die Altstadt von Marseille, in der es noch jede Menge Streetart gibt.

Natürlich gibt es Streetart in allen Großstädten, aber selten habe ich so viele verschiedene und gute Arbeiten auf einmal gesehen. Natürlich liegt es auch daran, dass andere Großstädte viel weniger Bereiche in der Innenstadt haben, die noch so unrenoviert und offen sind. Wo man kleine, alteingesessene Läden neben schrägen Künstlercafés findet, coole Minibars, neben Läden, in denen alte Platten und Möbel verkauft werden. Oder den neuesten Fußpflegetrend (lebende Fische fressen einem die Hautschüppchen von den Füßen), gleich in der Nähe eines alten Bouleplatzes.

Streetart und Künstlercafés

Und dann gibt es eben manchmal so Tage, wo man – wie Harry Potter das Gleis Neun Dreiviertel – einfach den idealen Ort findet, um einen Abend in Marseille ausklingen zu lassen. Marseille bei Nacht – etwas ganz Besonders. In diesem Fall das kleine Künstlercafé mit der Sperrmülleinrichtung, den Fotos an der Wand und der südeuropäischen Speisekarte auf der Schiefertafel. Wo die Bedienung sich neben einen an den Tisch hockt, als ob man ein guter Bekannter ist. Und man zum Wein ein kleines Schälchen Nüsse bekommt (Gott, ich liebe das!). Wo die Bilder an der offenen Steinwand garantiert von einem befreundeten Künstler sind oder sogar von den Cafébesitzern selbst.

Orte, die man als Künstler braucht, um sich daran zu erinnern, dass man nicht allein in der Welt ist. Weil man Dinge dann besonders mag, wenn sie unfertig, gebraucht oder sogar dreckig und heruntergekommen sind. Weil sich Erinnerungen hinter diesen Gegenständen oder Hauswänden oder Orten verbergen, weil sie etwas zu erzählen haben.

Kunst an Wänden

Es gibt ja immer die Diskussion, ob man hier oder dort sprayen darf (natürlich praktisch nirgendwo). Ob die Gegend durch Streetart verschandelt oder neu zum Leben erweckt wird. Für mich ganz einfach eine Frage der Qualität der Arbeit. Ich war überrascht, dass es in den Straßen des Panier nur sehr wenige verschmierte Hauswände, aber sehr viel gute Streetart gibt.

Stanzelarbeiten, also mit Schablonen auf die Wand aufgebrachte Sprayarbeiten, Mosaike und Plakate mit Bildern. Politische, persönliche und regionale Statements. Vielleicht sind die Hauswände und Straßen ja überhaupt die Orte, wo man heute noch neue und interessante Kunst findet? Wer also nach der nationalen Kunstausstellung im MuCem in Marseille sehen möchte, was gerade aktuell in der Kunstszene passiert, der macht am besten einen Ausflug in die Straßen der Altstadt. Taschen festhalten empfohlen – noch dringender empfohlen: Augen auf für die Streetart.

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2 Comments

  • Reply
    IraW
    25. November 2013 at 15:47

    Das klingt so, als müsste ich dringend mal in die Ecke fahren, das Buch hat mich ja schon sehr neugierig auf Street Art gemacht und Deine Beschreibung von Marseille klingt super interessant! :-)

    • Reply
      Katrin
      25. November 2013 at 17:26

      Hi Irina! Also Marseille wäre im Moment mein Nr. 1 Reisetipp für Europa. Hast du die anderen Streetart Bilder gesehen, die ich bei Flickr hochgeladen habe? Ich war ganz begeistert.

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