Stephen Kings “On Writing” #9 Grammatik

 Grammatik

Also, was sollte noch im Werkzeugkasten des Schriftstellers sein? Grammatik. Sprachlehre. *Ächem* Ich fühle mich kalt erwischt. King:

“… and don’t ennoy me with your moans of exasperation or your cries that you  don’t understand grammar, you never did understand grammar …” (King. On Writing)

Ich war eine sehr gewissenhafte Schülerin, aber Rechtschreibung und Grammatik waren nicht mein Ding. Nie. Es ist mir immer schwer gefallen, Worte richtig zu schreiben. Allerdings konnte ich immer erklären, warum. Sie klangen für mich anders oder sahen anders besser aus.

Bei Grammatik war es umgekehrt: Ich habe nie Fehler gemacht, aber man durfte mich nicht fragen, warum oder was ich da gerade gemacht hatte. Objekt, Prädikat, Subjekt? Keinen Schimmer. Das habe ich viel später gelernt, als ich Latein für mein Studium lernen musste. Bei King gibt es kein Lehrkapitel über Grammatik. Kings Message ist klar: Du solltest es draufhaben. Wenn du es drauf hast: Gut. Wenn du es nicht drauf hast: Lern es. Aber bitte nicht in diesem Buch.

Ich bin kein Fan von Leuten, die den Genitiv hochhalten, als wäre es die letzte Bastion der Deutschen Sprache. “Der Genitiv ist dem Akkusativ …” Ich kann auch auf Bücher verzichten, die sich darüber amüsieren, das Menschen, die weniger Bildung haben, Fehler machen. Ich finde, wenn ein Buch lebendig sein soll, die Dialoge, der “Swing”, dann klingt absolut richtig manchmal verdammt falsch. Einverstanden, wenn man weiß, was man macht, sagt King. Aber die meisten wollen zu viel.

Häufigster Fehler?maschi

Zu komplizierte Sätze. Man will Eindruck schinden und merkt nicht, dass man sich auf Glatteis begibt. Verstehe. Frauen oder Männer, die auf eine festliche Veranstaltung gehen, sich chic machen und am Ende schlechter aussehen, als an allen anderen Tage des Jahres. Also zurück zu den einfachen Sätzen. Hunde bellen. Vögel fliegen. Das kleine Schwarze oder der schwarze Anzug. Das ist deine Baustelle.

Grundlagen

Manchmal bekomme ich liebe Briefe von Menschen, die mich um Rat fragen, wie sie Schriftsteller werden können. Und mich fragen, ob ich ihr Manuskript lesen könnte. Vorweg: Ich bewundere und liebe diese Menschen. Mut ist sicher das Wichtigste, was man braucht, um ein Buch zu veröffentlichen. Also ermutige ich sie gerne zurück. Das Manuskript lese ich nicht, zum einen, weil ich keine Zeit dafür habe, zum anderen, weil in den meisten Fällen schon in der Mail so viele grobe grammatikalische Fehler (und ich sehe absolut über Rechtschreibfehler hinweg) gemacht werden, dass ich am liebsten sagen möchte: Bitte, bitte, lasst dieses Manuskript in der Schublade. Sie werden euch zerreißen, da draußen. Schaut, was sie mir schon antun und ich beherrsche die Sprache einigermaßen.

Grammatik ist wichtig. Ich bin King dankbar für diese Erinnerung. Ich kann noch viel lernen. Dinge, die richtig zusammengesetzt sind, funktionieren besser. Das ist auch von ihm kein besserwisserischer Rat, sondern nur ein gut gemeinter.

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