Stephen Kings “On Writing” #14 Schreibpensum

Lese – und Schreibpensum

Schreib viel, lies viel. Aber was ist viel? Wie groß sollte das Lese- und das Schreibpensum sein? Lies viel, okay, im Grunde so viel wie möglich und 1000 Bücher ist da mal eine Hausnummer. Und ein gewisser Anteil von Büchern, die in unserem Land/Welt als Kulturgut gelten, erscheint mir sinnvoll. (Leider hat die Schule großen Anteil daran, dass diese Bücher von den meisten Menschen nach der Schulzeit nie wieder angesehen werden)

Schreibpensum

SchreibUnd wie viel sollte man schreiben? Natürlich war dieser Abschnitt für mich einer der spannensten in “OnWriting”. Und – wieviel schreibt man? Wieviel schreibt King? Und King hat sich das auch gefragt: Wieviel schreiben eigentlich die anderen?

Um es gleich vorweg zu sagen: Da gehen die meinungen weit auseinander. Von wenigen Wörtern am Tag bis zu ganzen Büchern in einer Nacht. Also wieder einmal so eine Frage, die nur ganz individuell beantwortet werden kann. Um zwei Beispiele zu nennen, die King anführt: James Joyes, der am Abend über seinem Schreibtisch zusammenbricht, weil er die 7 Wörter, die er am Tag zu Papier gebracht hat noch nicht richtig sortiert hat und dann jemand wie Anthony Trollop, der 47 gigantisch fette Büchern geschrieben hat. Mit stoischer Regelmäßigkeit. Er schrieb morgens zwei Stunden vor seiner Arbeit als Postangestellter und es gibt das Gerücht, dass er mitten im Satz abbrach, wenn die Schreibzeit um war. Oder nehmen wir John Creasey, der über 600 Bücher unter zehn verschiedenen Namen geschrieben hat. WHAT? Gut, dem Thema Pseudonyme würde ich mich gerne noch mal in einem Extrablogbetrag widmen, aber 6 HUNDERT?

Nun, es gilt ja nicht: je mehr, desto besser. Denn klar, wenn man vorhat, Weltliteratur zu schreiben, dann wird man weder viele Pseudonyme verwenden, noch Bücher wie Popcorn produzieren. Und was ist mit dir Stephen?

Kings Schreibroutine

King hat, wie er selber sagt, eine klare Tageseinteilung und damit auch Schreibroutine: Geschrieben wird am Morgen, Nachmittags Mittagschläfchen und Briefe (Mail?), Abends Familie, lesen oder Überarbeitungen, die dringend sind. Er schreibt an einem Projekt am liebsten so intensiv wie möglich, täglich, bis es vollendet ist. Ich weiß, was er meint, große Pausen machen es schwer, wieder in das Schreiben zu kommen, wobei ich damit gute Erfahrungen habe, da ich oft mehrere Projekte parallel bearbeite. (Wir Frauen sind einfach Muli-Tasker …) Ich weiß aber, was er meint, wenn ein Buch ein gewisses Stadium erreicht, dann ist es gut, wenn man nicht mehr loslässt und es in einem Schwung vollendet.

Wie viele Seiten?

Auch schön zu lesen: King schreibt etwa 10 Seiten am Tag, was genau mein Pensum ist, wenn ich gut in der Arbeit bin. Das kann ich nicht jeden Tag erwarten. Besonders, wenn ich an dramaturgische Übergänge komme, fühle ich mich wie ein Rennfahrer in der Kurve. Es ist gut, dann etwas Tempo herauszunehmen, wenn man nicht über die Leitplanke segeln will, was bedeutet, dass man für Wochen aus seinem Schreibrhythmus kommt.

Arbeitsatmosphäre

Angesichts der Tatsache, dass gerade eine Baustelle vor meinem Haus ist, ein wichtiger Punkt. Natürlich wünscht man sich Ruhe und Konzentration, die King eindeutig empfiehlt. Auf der anderen Seite – wohl wieder ein weibliches Phänomen – erinnere ich mich an ein Interview mit Fay Weldon, in dem sie erzählte, dass sie ihre Bücher am Küchentisch schrieb, während ihre drei kleinen Söhne um sie herumkrabbelten. Tja …

Nicht zufällig sind ihre Bücher voller ironischer Seitenblicke auf die Mann-Frau-Beziehung. King dagegen sagt ganz offen, dass er seinem Erfolg der Ehe und seiner (überwiegend vorhandenen) Gesundheit verdankt:

And I believe, the converse is also true: that my writing an the pleasure I take in it have contributed to the stability of my health and my home life.

Da kann ich allerdings nur voll und ganz zustimmen.

 

1 Comment

  • Reply
    Stephen Kings "On Writing" #15 Schreiborte - Katrin Bongard
    25. August 2019 at 22:09

    […] Natürlich, seine Argumente leuchten vollkommen ein. Keine Ablenkung, die Tür geschlossen, kein Schnickschnack im Raum. Wie sonst sollte man es schaffen, über Stunden zu schreiben? Und das ist nötig, um Wort für Wort auf die Seite zu bringen und Seite um Seite für ein Buch zu füllen. Am besten setzt man sich für die Zeit am Schreibplatz auch gleich ein Schreibziel. Bei ihm sind es 1000 Wörter am Tag und das mindestens sechs Tage die Woche.*Hust*. Ich muss ihm hier zum ersten Mal ausdrücklich widersprechen, denn mit dieser Einstellung hätte ich kein einziges meiner Bücher geschrieben. Ich sage nur: Fay Weldon und der Küchentisch. […]

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