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Stephen King

Stephen King - On Writing

Stephen Kings “On Writing” #8 Toolbox

19. September 2013
Die Toolbox

Okay, endlich. Das habe ich jedenfalls gedacht, als ich in Kings “On Writing” bei dem Kapitel Werkzeuge also Toolbox angelangt bin. Nicht, dass das Vorherige langweilig gewesen wĂ€re, ganz im Gegenteil, trotzdem ĂŒberspringe ich das ganze autobiografische Kapitel von King hier einfach mal und komme gleich zur Sache.

NatĂŒrlich wollte ich wissen, was King in seiner Toolbox empfiehlt. Und hatte gleichzeitig Angst davor. FĂŒr jemanden wie mich, der Puppenkleider mit Tesafilm “nĂ€ht”, oder eine Sicherheitsnadel hinsetzt, wo andere einen Knopf anbringen, hat das Wort Werkzeuge immer etwas Bedrohliches. Es ist die Lösung fĂŒr ein Problem, okay, aber es ist auch das Ding, mit dem ich nicht klar komme. Werkzeuge und ihr Gebrauch. Das beste Werkzeug nĂŒtzt ja nichts, wenn man es nicht richtig benutzen kann. King schlĂ€gt gleich einen ganzen Werkzeugkasten vor.  Und empfiehlt, dass der eines Autors mindestens 4 oder 5 Etagen oder Ebenen (FĂ€cher oder Schubladen) haben sollte. Jede Ebene ein Werkzeug.

Wortschatz

Und das erste Werkzeug in der Toolbox heißt: Wortschatz. Was jeder mehr oder weniger zur VerfĂŒgung hat (Erleichterung!). Zudem ist King ein eindeutiger Verfechter einer einfachen Sprache und anders, als fĂŒr einige Rezensenten, ist fĂŒr ihn eine einfache Sprache eine gute Sprache. Mit Worten, die einem beim Schreiben sofort einfallen, die das, was man sagen will, am direktesten und klarsten beschreiben. Mein Lieblingszitat von King fĂŒr die Schönheit und Klarheit einer einfachen Sprache ist von Hemmingway:

“He came to the river. The river was there.”

Ja, ich liebe das auch. Es ist wie beim Design. Je einfacher und klarer, desto kraftvoller, ehrlicher, stĂ€rker. FĂŒr den Wortschatz heißt das bei King: Nimm was du hast und fang bitte nicht an, dir komplizierte Worte fĂŒr einfache Sachverhalte auszudenken. Nimm deine Alltagssprache, sie ist schön, haltbar und ausreichend. Also liegt “Wortschatz” in der obersten Schublade der Toolbox und man versteht, wie es weitergeht. Am Ende hat man in allen Schubladen Werkzeuge und ist bestens ausgestattet. Ein Traum.

Smarties

smarties 2Das ist so, wie mit den Smarties. Ich liebe Smarties. Ich meine, ich esse sie gerne. Als Kind habe ich sie immer auf meine Bettdecke gekippt und sortiert (oaky, manchmal mache ich das heute noch). Dann waren es Pillen fĂŒr mich und jede Farbe half gegen eine Krankheit. Gelbe geben Husten, Rot gegen Kopfschmerzen, GrĂŒn gegen Bauchweh.

Aber bei mir gab es auch Pillen, die fĂŒr etwas gut waren: Gute Laune, Kraft, Klugheit. Es gab kein Problem, das nicht mit einer Farbe oder Farbkombination zu lösen gewesen wĂ€re. Noch weitere Fragen? Äh, ja. Was ist, wenn man sich nicht sicher ist, welches Werkzeug man in einem bestimmten Fall benutzen muss? Oder keines der Werkzeuge geeignet scheint? Einziger Ratschlag von King: Das musst du in der Praxis rausfinden. Also deine Werkzeuge möglichst oft benutzen. Verstehe. Ich esse erstmal noch ein paar Smarties. Sicherheitshalber von jeder Farbe.

Stephen King - On Writing

Stephen Kings – On Writing #7 UnterstĂŒtzung

17. September 2013
UnterstĂŒtzung im Schreiben

Weiter geht es mit Stephen Kings On Writing. Eigentlich wollte ich heute zu der Toolbox ĂŒbergehen, den Werkzeugen, die man zum Schreiben braucht – oder auch nicht. Aber etwas Wichtiges habe ich vergessen und was das angeht, stimme ich hundertprozentig mit Stephen King ĂŒberein. Daher geht es vorher um – UnterstĂŒtzung.

Vor seinem Erfolg, der mit “Carrie” kam, hat King zwei Jahre lang unterrichtet und in den Sommerferien in einer WĂ€scherei gearbeitet. Geschrieben hat er – dazwischen. Auf den Stufen des Mietshauses, im Hinterzimmer der WĂ€scherei, im Trailer, den sie danach bewohnten. Es geht hier nicht um die Geschichte vom TellerwĂ€scher zum MillionĂ€r. Was die Kunst angeht, ist einem das egal. Man denkt vielleicht an die Millionen, wenn man, hm, ein GeschĂ€ft aufbaut, an der Börse spekuliert oder Lottolose kauft, aber sicher nicht, wenn man Kurzgeschichten schreibt. Warum? Man weiß mit absoluter Sicherheit, dass dies nicht zu den Millionen fĂŒhren wird. Und es ist einem auch egal. Und das kann sehr hart fĂŒr jemanden sein, der mit einem durch diese Zeit geht.

Lesefutter

Es gibt ja diese wunderbaren Geschichten, von den Verlegern, die einen jungen Schriftsteller entdecken und dann unter ihre Fittiche nehmen. UnterstĂŒtzung vom Verlag. Hat es das mal gegeben? FrĂŒher? Ich bin mir da nicht so sicher. Ich habe eindeutig das Wort “Lesefutter” zu viel in GesprĂ€chen mit Verlegern gehört. Lesefutter bedeutet, dass man vom Schreiben leben kann, weil man fĂŒr den Verleger etwas schreibt, mit dem er die hungrigen Leser fĂŒttern kann. Aber Lesefutter will man auf keinen Fall schreiben, wenn man sich mit einem Job durchschlĂ€gt und nebenbei schreibt. Denn man arbeitet ja schon fĂŒr das Futter und ansonsten versucht man, sich FreirĂ€ume fĂŒr die Kunst zu schaffen. Man muss das tun.

Manchmal kann ein solcher Job durchaus hilfreich sein und einen auf die richtige Idee bringen. Ich mag die Geschichte von King, der bei dem miesesten und abwegigsten Job, den er hatte, auf die Idee fĂŒr “Carrie” gekommen ist. Eine Geschichte, die dann sowohl einen Verleger, als auch die Leser ĂŒberzeugte. (Carrie wurde ĂŒbrigens neu verfilmt und kommt im Dezember 2013 in die Kinos. Trailer.)

Schreiben und Kunst

Wenn mir jemand – egal ob angehender Schriftsteller oder Maler oder Musiker – erzĂ€hlt, er hĂ€tte zu wenig Zeit zum Schreiben oder malen oder musizieren, dann – Ă€h – weiß ich, dass es nicht wirklich ums Schreiben geht. Oder Malen. Also um die Kunst. Eher um die Idee, ein Schriftsteller oder Maler oder KĂŒnstler zu sein. Und es ist eine schöne Idee: Ein helles Atelier, arbeiten, wann immer man Lust dazu hat, sich nur mit den Dinge beschĂ€ftigen, die andere als Hobby haben …

Kunst

Nun, KĂŒnstler zu sein ist eine schöne IDEE, aber eine Sache, die man unbedingt vermeiden sollte, wenn es anders geht. Wenn man es nicht tun muss. Und dass man es tun muss, merkt man ganz einfach daran, dass man sich, wann immer es auch nur menschenmöglich ist, die Zeit dafĂŒr nimmt. Neben zwei Jobs, im Krieg, in einem verborgenen Zimmer in Amsterdam, in den Abend- oder Morgenstunden. Okay, ich will darauf nicht rumreiten. Ich will sagen: Ein Schriftteller, der fĂŒr die Kunst schreibt, braucht UnterstĂŒtzung. Stellt euch einfach eine Party vor, ein Familientreffen, ein Abendessen bei Freunden, egal und der Tischnachbar/Tanzpartner etc fragt:

“Und, was machst du so?”

“Ich bin KĂŒnstlerin.”

“Aha, interessant. Und? Kann man davon leben?”

Und die Antwort lautet: “Nein.” (Und man hasst, sie zu geben!)

Es ist ganz einfach. Man lebt nicht von der Kunst, weil sie nicht dafĂŒr gemacht ist. Aber vielleicht verdient man irgendwann einen Haufen Geld, weil man lange genug durchgehalten hat, nie aufgegeben hat, an sich geglaubt hat und – weil jemanden hatte, der diese Zeit mit einem durchgestanden hat. Der oder die das Geld verdient hat oder einfach das karge Leben mit ausgehalten hat.

Tabitha

Am besten – diejenige ist selbst KĂŒnstlerIn und versteht einen. Jemand, fĂŒr den man im Zweifelsfall das Gleiche tun wĂŒrde. Mit Kings Worten:

“Whenever I see a first novel dedicated to a wife (or husband), I smile and think. There’s someone who knows.

Diese Menschen werden gerne vergessen. Auch in Vorworten oder Widmungen. King hat das nicht getan und ich will da auch nicht tun. Denn es ist wichtig, darĂŒber zu reden, dass man jemanden – Verleger, Mann//Frau//Geliebte/n// Freund//Mentor//Lehrer braucht, um ein gutes Buch zu schreiben. Um durchzuhalten, um weiterzumachen.

Meine SchreibunterstĂŒtzung
UnterstĂŒtzung

Zum GlĂŒck habe auch ich jemanden, der mich in Schreibzeiten und bei meiner kĂŒnstlerische Arbeit unterstĂŒtzt. Der hinter, neben oder vor mir steht und auf mich aufpasst. King hatte seine Frau Tabitha, die den ersten Entwurf zu “Carrie” aus dem MĂŒlleimer gefischt und ihm beim Drogenentzug geholfen hat.

Wann immer ich also von King spreche, meine ich genauso Tabitha und wann immer ich von mir spreche, dann spreche ich auch von dem Mann der hinter, vor oder neben mir steht. Danke, Uwe, fĂŒr den Support.

Ich habe auf Red Bug Culture einen Beitrag zu UnterstĂŒtzung geschrieben, der das Thema noch einmal ausfĂŒhrlicher behandelt, wer mehr lesen möchte, kann also einfach auf den Schreibblog meines Buchlabels Red Bug Culture hĂŒpfen.

Stephen King - On Writing

Stephen King – On Writing #6 BĂŒcher ĂŒber das Schreiben

17. September 2013
BĂŒcher ĂŒber das Schreiben

Diesmal geht es um BĂŒcher ĂŒber das Schreiben. Ja, ich bin immer noch bei On Writing und finde es extrem gruselig (ihr wisst schon, das Leben und das Schreiben), dass Stephen King nun zum ersten Mal nach Deutschland kommt. Hamburg. Tickets hier. Mona/Tintenelfe, du gehst hin, du musst mir sagen, wie es war! Hamburg ist ja nicht Berlin … Und ich mache einfach weiter, als wĂ€re nichts.

ZurĂŒck zum Thema.:BĂŒcher ĂŒber das Schreiben. Sind die ĂŒberhaupt sinvoll? Was sagt King? Ich hatte von den drei Vorworten in On Writing erzĂ€hlt und das zweite ist schon deshalb besonders, weil King es schafft, bei ca 125 Worten, viermal das Wort Bullshit fallen zu lassen. Wobei – fallen lassen … Bullshit! ist schon eher ein fester Schlag auf den Tisch. Erster Satz:

“This is a short book because most books about writing are filled with bullshit.” (Stephen King)

BĂŒcher ĂŒber das Schreiben sind alle Bullshit? King hat sich also vorgenommen, ĂŒber etwas zu schreiben, was in seinen Augen eigentlich noch niemand vor ihm richtig hingekriegt hat? Mutig. Allerdings nennt er eine einzige Ausnahme: William I. Strunk “The Elements of Style ” und empfiehlt jedem angehenden Writer, dieses Buch zu lesen und ich gebe das gerne gleich so weiter.

Das Buch werde ich lesen, aber ich teile Kings Meinung hier nicht ganz, da ich noch nicht sehr viel Bullshit in SchreibbĂŒchern gelesen habe. Allerdings habe ich mich auch nie mit “Besser schreiben fĂŒr Dummies” beschĂ€ftigt, sondern hautpsĂ€chlich BĂŒcher ĂŒber das Drehbuchschreiben gelesen und fand sie ausnahmahmslos hilfreich. Hier mal eine kleine Liste. Es schadet nicht, sie alle zu lesen.

BĂŒcher ĂŒber das Schreiben
bullshit

IPC Laptop von 1997. Was fĂŒr ein schöner Oldtimer. Man beachte die Disketten!

AnfÀnge

Als ich anfing, meinen ersten Roman zu schreiben, dachte ich nicht an BĂŒcher ĂŒber das Schreiben. Der Antrieb ging eher von einer kreativen Idee als von dem handwerklichen Gedanken aus. Ich dachte, das kriege ich ohne Anleitung hin, ist ja schließlich kein Ikea-Schrank und kreativ kann ich.

FĂŒr meinen ersten Roman hatte ich die gewagte Idee, einen interaktiven Roman zu schreiben. Es war schnell klar, dass diese Idee (zumal das Internet noch kein smartes Netz, sondern ganz schön trĂ€ge war) mich komplett ĂŒberforderte. Viele Kurzgeschichten (die ich mir seit Jahrzehnten nicht getraue durchzulesen) und drei Jahre spĂ€ter, versuchte ich dann erneut, einen Berlin-Roman zu schreiben. Erneut ohne BĂŒcher ĂŒber das Schreiben oder irgendwelche Online-Tipps. (Gab es die damals ĂŒberhaupt schon?)

Drauflosschreiben

Ich liebe Struktur, ich bin gut darin, ich wollte einen Roman aus vier Perspektiven schreiben, ich dachte, das schaff ich. Morgens um 5 Uhr bin ich aufgestanden und habe im Winter, im Dunkeln an meinem kleinen Schreibtisch gesessen und auf meinem ersten IPC-Laptop geschrieben – und gelöscht – und geschrieben – und gelöscht u.s.w.

Den Hinweis von Wiliam Strunk Omit needless words brauchte ich nicht, ich habe ganze SÀtze, ganze Seiten und nachher das ganze Manuskript gelöscht. Gott, war das schlecht!

Drehbuchschreiben

Nun – was mich aus diesem Kampf, um ein gutes Buch, eine gute Seite, einen guten Satz am Ende gerettet hat, war das Drehbuchschreiben. Oder zumindest die Aufgabe, statt 400 Romanseiten, einfach mal locker mit Dialogen gefĂŒllte 120 Seiten Drehbuch zu schreiben. War das einfach! (Letztendlich natĂŒrlich nicht, die Meister des Fachs sind Genies). Ich hatte da irgendwie ein verborgenes Talent in mir entdeckt und hielt das auch nicht fĂŒr weltbewegend. Also DrehbĂŒcher im Besonderen und Film im Allgemeinen.

Und diesmal begann ich die Sache systematisch und habe Schreiben gelernt. Was ich beim Drehbuchschreiben und Lesen der BĂŒcher ĂŒber das Drehbuchschreiben gelernt habe, wurde eine der Grundlagen meines Schreibhandwerks.

Ich hoffe, dieses eine Buch von King und vielleicht die kleine ErgÀnzung von meiner Seite helfen euch bei eurem Schreiben weiter.

Kennt ihr noch mehr BĂŒcher ĂŒber das Schreiben? Dann setzt sie gerne in die Kommentare.

Stephen King - On Writing

Stephen King – On Writing #5 Die Schriftstellerband

15. September 2013
Die Schriftstellerband

Heute geht es um die kleine Geschichte, die Stephen King in On Writing seinem ersten Vorwort erzĂ€hlt. Ja, erstem Vorwort, denn davon gibt es drei. Das Buch hat drei Teile, drei Vorworte und das ist natĂŒrlich kein Zufall. Im ersten Vorwort erzĂ€hlt King von – der Schriftstellerband.

Anfang der 90er Jahre hatte die Verlegerin Kathi Karnen Goldmark die Idee, eine Rock ‘n Roll-Band aus Schreibern (Drehbuchautoren, Journalisten, Schriftstellern …) zu grĂŒnden. Der erste Auftritt der Schriftstellerband fand auf der Bookseller Association Convention statt, das sollte es eigentlich sein, doch dann traf sich die Band noch ein paar Mal, dann regelmĂ€ĂŸig und trifft sich wohl bis heute.

Die Autoren in dieser Band haben in meinen Augen die wunderbare Eigenschaft, sich nicht so ernst zu nehmen. Sonst hĂ€tten sie sich wohl kaum Rock Bottom Remainders (was man vielleicht mit LadenhĂŒter oder Restexemplare ĂŒbersetzen kann) genannt. Ich liebe das! Ihre Homepage ist cool und stylish (seht ihr die kleinen Sternchen!) und am 16. Juni 2013 haben die Bandmitglieder das E-Book Hard Listening herausgebracht, in dem man Essays, Fotos, Audioclips und Videos findet. Logisch finde ich das gut! Stephen King war lange Lead-Gitarrist der Band und einer der FrontmĂ€nner und hatte Spaß.

Literatur und Spaß

Ich weiß, dass viele Menschen im Buchbetrieb denken, dass Spaß haben und Literatur nicht zusammenpassen. Kann man sich eine Rock ‘n Roll-Band mit Daniel Kehlmann, Clemens Meyer, Kathrin Schmidt, Elfriede Jelinek, Uwe Tellkamp vorstellen?

Zu den genannten Autoren habe ich sehr unterschiedliche Meinungen, aber es kommt nicht darauf an, ob ich sie fĂŒr gut oder schlecht, nett oder unnett halte. Ich meine nur: Sie nehmen sich alle sehr ernst. Wie ĂŒberhaupt ein großer Teil des Literaurbetrieb. Wogegen nichts spricht, wenn dieser Literaturbetrieb nicht mit einer gewissen Herablassung auf einige Schriftsteller herabsehen wĂŒrde, die sie fĂŒr weniger ernsthaft halten. Das ist in den USA nicht anders und natĂŒrlich ist Stephen King ganz klar, dass die meisten, die sich in dem Betrieb wichtig nehmen, ihn fĂŒr einen weniger wichtigen Autor halten.

Nun gab es vor einem Gig der Band in Miami Beach ein GesprÀch zwischen King und Amy Tan (Background-Vocal). Allein wegen dieser GesprÀche beneide ich King schon um die Band. King fragte Tan, welche Frage von den tausenden, die ihr immer wieder gestellt werden, ihr denn noch nie gestellt worden sei. Und sie antwortete: Niemand hat mich jemals nach der Sprache gefragt. Niemand hat sie je nach ihrem VerhÀltnis zur Sprache in ihrem Schreiben gefragt. Und King ging auf, dass man von Bestseller- und Erfolgsautoren, die einem breiten Publikum gefallen, wohl nicht annimmt, dass sie der Sprache besondere Bedeutung beimessen.

VorurteileSchriftstellerband

Hier könnte eigentlich ein Werbe-Break kommen, um sich das noch mal durch den Kopf gehen zu lassen oder sich Chips aus der KĂŒche zu holen (ich bevorzuge das Zweite). FĂŒr Stephen King, der schon ĂŒber ein Jahr mit dem Gedanken spielte, ein Buch ĂŒber das Schreiben zu schreiben, war das ein weiterer Hinweis: Okay, sie fragen nicht nur mich  nicht, sie fragen uns alle nicht nach der Sprache.

MĂŒller und Jelinek – klar. Oder wie King erzĂ€hlt: Updike und DeLillo – natĂŒrlich.

Kurz, dieses Buchprojekt war ein wenig frech: King schreibt ĂŒber das Schreiben, ho, ho, ausgerechnet – und er wusste das selbst. Darum hat er so lange gezögert und auch ein wenig Angst gehabt, sich lĂ€cherlich zu machen oder aufgeblasen zu wirken. Ich muss sagen: Respekt – denn es ist mutig und wichtig. Und angefangen hat es bei und mit der Band.

Ich denke an die Buchmesse. Wie schön wĂ€re es, wenn ich in einer Schriftstellerband – sagen wir eine Funk- oder Punk-Band – wĂ€re. Und wĂ€hrend der Messe einen coolen Auftritt hĂ€tte. Das wĂ€re genau mein Ding. Und anschließend könnte man ein wenig ĂŒber Sprache und Schreiben, das Handwerk und die Magie reden. Atlantik, wo bist du und all you can hear is Radio Gaga. Wir wĂŒrden Chips essen und uns Witze erzĂ€hlen und hĂ€tten bestimmt viel Spaß mit unseren Lesern, die natĂŒrlich alle VIP-Karten bekommen wĂŒrden. Ach ja …

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Stephen King – On Writing #4 Henne oder Ei

15. September 2013
On Writing – henne oder Ei

Stephen King hat On Writing in drei Teile eingeteilt:

  1. Eine kleine Autobiografie,
  2. eine Abhandlung ĂŒber die Grundvoraussetzungen zum Schreiben (On Writing)
  3. und einen Abschnitt On Living, er nennt es Postscript.

Ich wĂŒrde sagen, es ist der große Schlussakkord seines Buches. Padam! Denn wĂ€hrend er in den ersten zwei Kapiteln sowohl emotional als auch logisch an das Schreiben herangeht, herrscht im letzten Kapitel eine Stimmung von Chaos und, hm, surrealem Horror. Was natĂŒrlich nicht zufĂ€llig genau das ist, was seine eigenen BĂŒcher ausmacht.

Auch schon im ersten, autobiografischen Teil ist Horror in ganz alltĂ€glicher Form vorhanden: Arztbesuche und Behandlungen mit unertrĂ€glichen Schmerzen als Kind, extreme Armut und absurde Jobs als junger Familienvater, starke Alkohol- und Drogensucht sowie Entzug spĂ€ter. Dazwischen irgendwo der Erfolg. Man hat fast das GefĂŒhl, er ist ein weiterer Horrorfaktor, aber Stephen King sagt das nie. Ich frage mich: Was war eher? Henne oder Ei? Der Horror oder der Wunsch, diese Art von Erfahrungen zu machen?

Henne oder Ei

Ich hĂ€tte nie gedacht, dass ich jemals in meinem Leben ein Handwerk erlernen werde. Und beim Lesen in BĂŒchern ĂŒber das Schreiben, ist es schön zu merken: Du verstehst etwas von diesem Handwerk. Ich bin in einer Akademikerfamilie aufgewachsen: Mutter Doktor, Vater Professor, die meisten Tanten und Onkel Lehrer. Doch ich bin nicht dafĂŒr gemacht. Wenn man seine Puppenkleider mit Tesafilm “nĂ€ht”, dann ist allerdings auch Handwerk keine echte Alternative. MĂŒtterlicherseits und großmĂŒtterlicherseits gab es einige Hallodries und Spieler und irgendwann war mir klar, dass ich vermutlich mehr das Erbgut dieser Seite geerbt habe, denn alles, was etwas verboten oder gefĂ€hrlich oder riskant ist, zieht mich magisch an.

Handwerk und Erfahrungen

Dann natĂŒrlich die Frage: Was wird man mit dieser Mischung? Und warum ist man schließlich etwas Bestimmtes geworden? Ich wundere mich immer, wenn in Biografien von Autoren steht: “Ich habe immer schon viel gelesen und viel geschrieben.”

Nun, logisch, das ist dein Handwerk, das hast du doch hoffentlich gelernt. Ich möchte ja auch bitte nicht, wenn ich mir die WerbebroschĂŒre eines BĂ€ckers ansehe, lesen: “Ich habe schon immer viel gebacken.” Davon gehe ich mal aus.

Meine Frage an den Autor ist: Hast du irgendetwas (erlebt), das sich aufzuschreiben lohnt?  Stephen King hat natĂŒrlich viel gelesen und viel geschrieben. Sein Handwerk gelernt. Er sagt, dass es eine der Hauptvoraussetzungen fĂŒr das Schreiben ist. Absolut einverstanden. Doch was seinen Texten den besonderen Kick gibt, ist sicher etwas anderes. Ich denke, es ist zu einem großen Teil sein Leben. Seine Lebenserfahrungen.

Schreiben

Als ich mein erste Buch schrieb (Radio Gaga) stellte ich zum ersten Mal fest, dass es nicht möglich ist, einen Protagonisten einfach sterben zu lassen. Jedenfalls nicht, ohne der Geschichte und seinen Charakteren zu schaden (Das Buch ist der Boss!). Ich habe auf das Buch gehört und fand mich großzĂŒgig.

Beim dritten Buch hatte sich das KrĂ€ftverhĂ€ltnis schließlich so umgekehrt, dass ich Angst hatte, im Skiurlaub zu verunglĂŒcken, weil ich dem Hauptprotagonisten in meiner Geschichte einen ĂŒblen Skiunfall angehĂ€ngt hatte. Henne oder Ei. Ich war richtig erleichtert, als bei einem Sturz meine (echt teure) Ray-Ban-Sonnenbrille kaputt ging und ich sie sie sofort als Ersatzopfer anbieten konnte. Ist das verrĂŒckt? Ich weiß es nicht genau, aber je lĂ€nger ich schreibe, desto sicherer bin ich, dass zwischen dem Leben und dem Schreiben eine sehr enge Beziehung besteht, die man nicht unterschĂ€tzen darf. Vermutlich trifft das auch auf andere KĂŒnste wie Schauspielerei/Bildende Kunst/Musik etc zu.

Mir gefĂ€llt außerordentlich, dass Stephen King dies nicht nur genauso sieht, sondern es in seinem Buch auch ausdrĂŒckt//zeigt//beschreibt. Leben und Schreiben – gehören zusammen.

Stephen King - On Writing

Stephen Kings – On Writing #2 King Size

13. September 2013
King Size

Es heißt ja immer, man trifft sich dreimal im Leben. Was ich nicht bestĂ€tigen kann. Irgendwie treffe ich die Leute entweder stĂ€ndig oder nie. Doch was Stephen King angeht, könnte es hinkommen. (Sollte ich ihn jetzt noch einmal persönlich treffen, muss ich ihm allerdings sagen, dass diese Dreier-Regel einfach Unsinn ist). Das erste Treffen war unbewusst, das zweite sehr bewusst.

Und es gibt eine kleine Vorgeschichte. Ich hatte 2005 mein erste Buch veröffentlicht und ich kann nicht sagen, dass ich besonders cool mit der Angelegenheit umgegangen bin. Obwohl ich GlĂŒck hatte, Preise gewonnen habe und alle, wirklich alle, sehr nett zu mir waren. Es ist schon seltsam, wenn man die ganze Zeit darauf wartet, dass mein Buch im Buchladen liegt und es dann tatsĂ€chlich da liegt – klar, toll – und  etwa zwei Monate spĂ€ter schon wieder weg vom BĂŒchertisch ist und es kurz darauf sogar die wenigen Fans nicht mehr in ihrem Buchladen bekommen können.

Gekommen um zu bleiben

Die Band “Wir sind Helden” veröffentlichte im selben Jahr “Gekommen um zu bleiben” und ich fragte mich, ob ich mir nicht eher DAS hĂ€tte wĂŒnschen sollen. (Nun, 2012 kĂŒndigen die Helden eine lĂ€ngere Pause an – ich schĂ€tze, sie sind auch nicht geblieben, sondern haben sich leise rausgeschlichen.)

WĂ€hrend mein Buch also verschwindet, setzt sich eine Vampir-Tetralogie in den LĂ€den fest und ich muss mich ernsthaft fragen: Was habe ich falsch gemacht, wenn DAS richtig ist? Wenn alle JA! schreien, findet man sich irgendwann komisch, wenn man WAS? fragt. Und mitten in meiner *hm* Verzweiflung steht ein Schriftsteller auf und sagt: “Schaut doch mal, der König, der hat ja gar keine Kleider an!”

Sagt es einfach. gerade als alle die tollen Kleider bewundern. Und das war King. NatĂŒrlich hat er es anders gesagt. King ĂŒber Meyers. Etwas grob, zugegeben, aber von da an war ich beruhigt. Egal, was um mich herum an VerrĂŒcktheit in Bezug auf BĂŒcher und Literatur vor sich geht, ich bin beruhigt.

QualitÀt

KingEiner hat es ausgesprochen. Einer hat uns daran erinnert, dass man mit Sprache sehr unterschiedlich umgehen kann und dass hohe Verkaufszahlen nichts mit QualitĂ€t zu tun haben. Einer, dem man nicht vorwerfen kann, er wĂ€re bloß neidisch, da sein Erfolg und Einkommen (immerhin 45 Millionen Dollar im Jahr) dieses Argument sofort entkrĂ€ften.

NatĂŒrlich gab es einen Aufstand. Und natĂŒrlich glĂ€tten die Wogen sich wieder. Doch von damals (etwa 2009) bis heute bleibt eine Frage fĂŒr mich unbeantwortet: Warum hat King das getan? Er hĂ€tte ja auch schweigen können. Sich viel Ärger und HĂ€me ersparen können. (Nebenbei bemerkt enthĂ€lt seine Aussage ein großes Lob fĂŒr J.K. Rowling). Trotzdem: Die Frage blieb offen. Und nun lĂŒftet sich der Schleier. Seit ich “On Writing” lese, sogar ein ganz großes StĂŒck. Und endlich kommt Klarheit in meinen Kopf und die VerkaufsrĂ€nge werden mir egal (obwohl ich gerne oben stehe) und auch die “lieben 2 Sterne, die ich gerne vergebe” können mich mal –  King Size ist mein neues Small.

Genau deshalb, weil einen die VerkaufrĂ€nge der anderen Autoren, ihr Erfolg und der eigene Kampf um ein gutes Buch manchmal aus der Bahn werfen können, empfehle ich King’s On Writing nicht nur fĂŒr Menschen, die besser Schreiben lernen wollen, sondern allen, fĂŒr die Schreiben KUNST ist.

Stephen King - On Writing

Stephen King – On Writing #1 Am Anfang

11. September 2013
Stephen King – On Writing

Nun, es wurde mir ja schon prophezeit: Wenn du erstmal mit dem Bloggen anfĂ€ngst … Und, ja, zugegeben, ich mag es. Mögen? Nein, es ist mehr. Es ist etwas ganz anders, als bei Facebook oder Twitter diese Satzschnipsel. Es verlangt mehr Konzentration und wenn man versucht, es gut zu machen, dann hat es sehr viel mit Schreiben zu tun. Ach ja, das Schreiben. Wer mir folgt, der wird darĂŒber eine Menge hören, Ă€h – lesen. Aber der Verschreiber ist schon ganz richtig. FĂŒr mich muss Sprache klingen und zwar auch die Geschriebene. Das muss einen Beat haben, einen Klang, und je nachdem, was man schreibt, rockt es dann eher oder jazzt oder, oder …

Ich finde am Großartigsten, wenn es sich leicht anhört/liest und keiner merkt, wie raffiniert es ist. Kurz, es ist eine Kunst und ich bin ununterbrochen dabei, sie zu lernen. Nach Schule – der Lern-Pflichtveranstaltung, die mir nie so gelegen hat – ist der Trick fĂŒrs Weiterlernen eindeutig der, im richtigen Moment, den richtigen Lehrer zu finden. Und ja, haltet euch fest, ich habe Stephen King gefunden. Den braucht man nicht zu finden, der hĂ€ngt doch stĂ€ndig in den Bestsellerlisten rum? Stimmt. Aber da habe ich ihn nicht getroffen, sondern in einem Post eines anderen Autors und dann wieder vergessen und dann wieder  in einem anderen Post.

Schreibtipps

Genauer gesagt: Sein Buch. Stephen King – On Writing. Dass ich die Hinweise nicht schneller aufgenommen habe, hĂ€ngt wohl mit dem zusammen, was man beim Drehbuchschreiben als “Weigerung des Helden” bezeichnet. Was kann Stephen King, dieser Blut- und Horror-Autor, mir schon beibringen? Verdammt viel. Noch dazu gefĂ€llt mir, dass On Writing eine Art Schreibbiografie ist und jeder KĂŒnstler weiß, dass Leben und Kunst nicht zu trennen sind.

Aber keine Angst, ich habe nicht vor, hier eine Vorlesung zu halten. Ich will mir das nur noch mal durch den Kopf gehen lassen und teilen. Auf möglichst unterhaltsame Weise, was eine Herausforderung ist, da ich das Schreiben sehr ernst nehme. Ich weiß, unter euch gibt es Schreiber/Autoren/Literaten/Poeten. Aber sollte nicht auch jede Rezension und jeder kleine Facebook-Kommentar elegant und charmant sein?

Also los. Ich lese und teile. Ich koche fĂŒr euch und folge Kings Rezepten. Eine kleine Warnung sei hier allerdings noch ausgesprochen: Wenn man gutes Essen kennt, wird es schwerer, schlechtes Essen zu genießen. Nichts gegen eine gute Pommes mit Ketschup – eines meiner Lieblingsgerichte – aber nie wieder pampigen Kartoffelbrei aus Pulverkartoffeln. Das kann man der Kartoffel einfach nicht antun. Und seinem Körper auch nicht. Sind diese Vergleiche albern? SchĂ€tze, die Reise hat schon begonnen …