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Marseille

#Travels

Marseille 2013 – Das MuCem

6. November 2013

Marseille 2013

Wenn ich an Marseille denke, dann fĂ€llt mir ein guter Rat ein, denn man mir dort bei meinem letzten Besuch vor fast zwanzig Jahren gegeben hat: Lass dein Auto offen, dann musst du kein neues TĂŒrschloss kaufen, wenn sie es aufbrechen. Die Stadt war dreckig, laut und unkontrolliert und alle, die dort lebten, wussten das.

Das erinnert mich an eine andere Geschichte: WĂ€hrend der Sommerferien in Italien sind meine Eltern einmal fĂŒr einen Tagesausflug mit uns nach Neapel gefahren. Mein Vater fuhr einen Mercedes, den er als Gebrauchtwagen von einem Verwandten ĂŒbernommen hatte. Wie das so war, saßen wir vier Kinder unangeschnallt auf dem RĂŒcksitz und quollen aus dem ĂŒberhitzten Auto, als mein Vater irgendwo parkte, damit wir zu Fuß die Stadt erkunden konnten. Kaum hatten wir uns wenige Meter von dem Auto entfernt, rannte eine Gruppe von kleinen, barfĂŒssigen Jungs auf das Auto zu und montierte die Radkappen ab. Mein Vater unternahm einen halbherzigen Versuch, die Sache zu verhindern, doch die Jungs waren schnell und gnadenlos. Sie trugen die Radkappen vor unseren Augen davon. Das war ihr Revier, wer seinen Wagen hier abstellte, war selber Schuld.

Neues und Altes

Zu dieser Art von Orten habe ich ein zweigeteiltes GefĂŒhl: Ich finde sie faszinierend und erschreckend zugleich. Ich weiß, es sind die Orte, die man als KĂŒnstler unbedingt besuchen muss, Ă€ußerlich und innerlich, aber es kostet mich immer ein wenig Überwindung. Also wieder nach Marseille. Doch die Stadt hat sich verĂ€ndert. Sie ist sauber und aufgerĂ€umt geworden, sicher und fast ein wenig langweilig? Marseille ist als Kulturhauptstadt 2013 sauber gemacht worden. 600 Millionen Euro waren dafĂŒr nötig und natĂŒrlich sind viele Probleme der Stadt … aber das nur am Rande.

Denn ich genieße das neue Marseille und die 600 Millionen sind gar nicht schlecht angelegt worden. Nicht ganz verstehen tue ich die Villa MĂ©diterranĂ©e, die wie ein Sprungbrett aussieht und deren Sockel im Meer liegt. Auch nicht gerade meine Architektur. Marseille 2013Das GebĂ€ude daneben, ein vollkommen verglastes GebĂ€ude mit einer Beton(?)Gitterstruktur außen gefĂ€llt mir schon besser und genial finde ich, dass man ĂŒber eine StahlbrĂŒcke noch zur mittelalterlichen Festung Saint-Jean gelangen kann.

Hier ein Video, bei dem man 4 Minuten lang zu Musik um die drei GebĂ€ude fliegt. Mal abgesehen davon, dass eine mittelalterliche Festung einfach unwiderstehlich ist, wenn sie mit moderner Architektur aufgemöbelt worden ist, gefĂ€llt mir das MuCem (MusĂ©e des Civilisations de l’Europe et de la MĂ©diterranĂ©e), entworfen von Rudy Ricciotti, einem Marseillaiser Architekten, am besten. Wenn er ĂŒber das Projekt spricht hat man sehr stark das GefĂŒhl, dass Avandgarde sich gerade in der Architektur ereignet.

Das Panier

Ich habe die beste StadtfĂŒhrerin, die man sich denken kann, die mich vom alten Hafen in Marseille, zur Festung, ĂŒber die StahlbrĂŒcke in das MuCem fĂŒhrt. Als die Sonne untergeht und der Himmel auf einmal rosa wird, kommt es mir wie eine großartige Inszenierung vor. Ich stelle fest, dass ich durchaus Höhenangst habe, als ich ĂŒber die HĂ€ngebrĂŒcken hinter der Fassade um das GebĂ€ude laufe. Und dass ich gerne eines der vollkommen verglasten BĂŒros hĂ€tte, in denen man die Leute bei der Arbeit beobachten kann. Nur ein zarter Vorhang Richtung Meer, der die Sonne etwas abhĂ€lt. Da können freie Ideen entstehen. Das ist das neue Marseille. FĂŒr das Alte muss die Sonne vermutlich erst ganz untergehen. Halt deine Tasche fest und pass auf Motoradfahrer auf, sagt meine Freundin, als wir in den kleinen Gassen des Panier unterwegs sind. Okay … mehr davon spĂ€ter.