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Stephen King - On Writing

Stephen King – On Writing #23 Der Rat eines Experten

5. April 2014
Der Rat eines Experten

Warum hat King On WritingÂ ĂŒberhaupt geschrieben? Ich meine, warum schreibt ein erfolgreicher Autor ein Buch darĂŒber, wie man schreiben soll/kann/muss? Im letzten Jahr hatte ich das VergnĂŒgen, mit einem GeschĂ€ftsexperten zu sprechen. Ich durfte ihm eine Frage stellen, die mich bewegt und bekam – den Rat eines Experten.

Meine Frage war: “Wie kann ich mehr Leser mit meinen BĂŒchern erreichen?”

Seine Antwort war simpel: “Wenn du mehr Leute erreichen willst, solltest du die QualitĂ€t senken.”

Sorry? Ich arbeite Jahrzehnte an meiner Sprache, meinem Stil, damit ich dann meine QualitĂ€t senke? Nachdem ich vergeblich versucht habe, ihn davon zu ĂŒberzeugen, dass es noch einen anderen Weg gibt, kam ich mit meinem stĂ€rksten Argument:

“Das kann ich nicht machen. Ich stehe mit meinem Namen fĂŒr eine gewisse QualitĂ€t.”

Lapidare Antwort: “Dann nimm dir doch einen anderen. Ein Pseudonym.”

Verstehe: Ein pseudonym. Wie wĂ€re es mit: Catherine BongĂ© (historische Liebesromane aus Frankreich) oder Kate Bonnet (Zeitgenössische Liebesromane  aus Amerika). Ich habe einige Tage gebraucht habe, um mich von diesem Ratschlag zu erholen. King war da wohl nicht so empfindlich, er hatte mindestens zwei Pseudonyme: John Swithen und Richard Bachman. (Und reden wir besser nicht ĂŒber die BĂŒcher, die er unter diesem Pseudonym geschrieben hat.)

Pseudonym

Warum will man anders heißen, wenn man KING heißt? Nun, King hat “On Writing” sicher nicht geschrieben, um sich selber etwa beizubringen, er kann schreiben. Aber wissen das auch alle? Denn in Buchkreisen heißt es eben auch (siehe oben) gerne: Was sich so gut verkauft, kann nicht gut geschrieben sein. Also ging es bei “On Writing” fĂŒr King nicht um große BuchverkĂ€ufe oder dem ĂŒblichen Erfolg, sondern um die Anerkennung bei Literaturkenner und Experten. Den Leuten, die etwas vom Schreiben verstehen. Denen wollte er erklĂ€ren, dass er sehr wohl den Unterschied zwischen gut und schlecht kennt und dass er – wenn er will – auf höchstem Niveau schreiben kann. Stimmt. Ein ganzes Buch um den Beweis anzutreten.

Und was mache ich? Vielleicht hat der Experte ja recht, aber ich werde meine QualitĂ€t nicht senken. Und ich werde mich auch nicht in verschiedene Schreibpersönlichkeiten zerlegen, das erinnert mich an Horkruxe. Wenn der Experte also recht hat, dann liebe Leser, willkommen in meiner kleiner exklusiven Leserschaft. FĂŒr euch schreibe ich. Und vielleicht auch um den Experten – nun – zumindest teilweise zu widerlegen.